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Bundesgartenschau 2015 -- eine Chance für den Naturschutz

Noch ist es nicht lange her, da wurde die Bewerbung der Stadt Karlsruhe für die Bundesgartenschau (BuGa) 2015 von allen Fraktionen im Karlsruher Gemeinderat befürwortet. Doch seitdem sich Anfang dieses Jahres die CDU urplötzlich dagegen ausgesprochen hat, ist es mit der großen Einigkeit vorbei. Statt dessen ist das Thema zum kommunalpolitischen Streitthema Nummer 1 in Karlsruhe geworden und droht immer mehr im parteipolitischen Hickhack unterzugehen.

Dabei kann sich das Konzept, das das Gartenbauamt Karlsruhe unter dem Motto "Vom Schwarzwald bis zum Rhein" entwickelt hat, sehen lassen. Hervorzuheben ist, dass neben der Entwicklung und Vernetzung innerstädtischer Grünanlagen wie dem Ostaue-Park, die Stadt Karlsruhe weiter in Richtung Rhein wachsen soll. Dabei geht es aber nicht darum, Flächen in der Nähe des Rheins zu bebauen, wie es fatalerweise in vielen anderen Städten geschehen ist. Statt dessen soll das Gebiet am Rhein als Landschaftspark für die Karlsruher Bevölkerung gewonnen werden.

Erfreulicherweise geht es bei den Planungen nicht darum, die Besuchermassen quer Feld ein an den Rhein strömen zu lassen. Deutlich wird dies zum Beispiel an den vorgesehenen Wegeverbindungen zum Rhein. So ist neben dem grundsätzlich bereits bestehenden Weg von Daxlanden nach Rappenwört noch eine Wegeverbindung am Rheinhafen geplant, der von Mühlburg aus am Windmühlenberg vorbei zum Rhein führt. Die dritte Verbindung soll von Knielingen aus zwischen der Papierfabrik und den Raffinerien an den Rhein führen. Zusammen mit den für eine Erschließung des Rheins notwendigen Brücken über den Rheinhafen, den Yachthafen und Ölhafen, sorgt dies für ein Wegekonzept, das zum Beispiel das sensible Naturschutzgebiet Burgau bei Knielingen weitestgehend verschont.

Am wichtigsten für den Schutz der Rheinauen ist aber sicherlich, dass die BuGa-Planungen in das "integrierte Rheinprogramm" eingebunden werden sollen, das nach den Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre aufgelegt wurden, da sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Begradigung des Rheins und die vielen Staustufen am Oberrhein die Hauptursachen dafür sind. Ziel der aktuellen Maßnahmen ist daher, zumindest die durch die zusätzlichen Staustufen verursachten Pegelspitzen, ausgleichen zu können. Dazu sind entlang des gesamten Rheins eine Reihe zusätzlicher Hochwasserrückhalteräume geplant, durch die auch die Rheinauen weitestgehend erhalten bzw. wiederhergestellt werden sollen.

Einer dieser Rückhalteräume, Bellenkopf/Rappenwört, liegt auch mitten im Gebiet des geplanten BuGa-Geländes. Unklar ist dabei allerdings noch, ob es sich um einen gesteuerten oder ungesteuerten Rückhalteraum handeln soll. Ungesteuert heißt dabei, dass durch eine Dammrückverlegung dem Rhein wieder natürliche Überflutungsflächen zur Verfügung stehen. Bei gesteuerten Poldern dagegen wird durch Einlassbauwerke die Überflutung dieser Flächen gesteuert, so dass bei Hochwasser die Pegelspitzen abgefangen werden können. Damit sich die Auen an das Wasser gewöhnen können, sind allerdings auch hier in regelmäßigen Abständen Flutungen erforderlich. Daneben sind aber auch noch weitere Naturschutzmaßnahmen zumindest in der Diskussion, die zwar nicht direkt zum "Integrierten Rheinprogramm" gehören, für die aber Fördermittel der EU in Aussicht stehen. Ein Beispiel ist, den unterhalb der Oberfläche toten Knielinger See in den Strom des Rheins zu integrieren, um ihn so vor dem endgültigen Umkippen zu retten.

Auch wenn hier sicherlich noch lange nicht alles abschließend diskutiert und entschieden ist, steht für mich doch jetzt schon fest: Die BuGa-Planungen weisen in die richtige Richtung und sollten auf jeden Fall weiterverfolgt werden -- auch wenn manche Stadtobere wie unser Oberbürgermeister von ihnen inzwischen nichts mehr wissen wollen. Wichtige Teile, wie Entwicklung Karlsruhes an den Rhein, ließen sich zwar sicherlich auch ohne BuGa umsetzen, doch mit Bundesgartenschau hätte Karlsruhe gleichzeitig auch noch die Chance, sich 2015 bei seinem 300. Geburtstag als umweltbewusste und lebenswerte Stadt zu präsentieren. Dies gilt zum Beispiel für den hervorragenden Karlsruher Nahverkehr, der gerade im Hinblick auf die Bundesgartenschau nochmals gezielt verbessert werden könnte (siehe auch "Verkehrliche Aspekte der Bundesgartenschau" im VCD-Teil).

Johannes Stober

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/03

Stand des Artikels: 2003! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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