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Finanz- und Bankenkrise ohne Ende?

„99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als ‚nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.“
Prof. Hans Christoph Binswanger, Ökonom, Universität St. Gallen

Der renommierte Volkswirtschaftler Hans-Christoph Binswanger benennt ein Problem von erheblicher Tragweite. Obwohl in den letzten Jahren die Finanz- bzw. Bankenkrise in den Medien ständig präsent ist, werden die wahren Ursachen nur selten analysiert bzw. offen angesprochen.

Ein wesentlicher Aspekt des Geldproblems ist, dass Geld nicht nur als Wertmaßstab und Tauschmittel dient, sondern gleichzeitig auch als Vermögensspeicher verwendet wird. Dieses Dilemma zeigt sich deutlich bei Betrachtung einer verzinsten Geldanlage:

Unter der Voraussetzung, dass die Zinsbeträge wieder angelegt werden, wächst das Vermögen exponentiell, das heißt eine Vervielfachung des Vermögens erfolgt in immer kürzeren Zeitabständen. Ein solches Wachstum ist nicht dauerhaft durchzuhalten und muss langfristig zu Verwerfungen führen.

Um Guthabenzinsen auf Geldanlagen zu erwirtschaften, muss das der Bank zur Verfügung gestellte Geld als Kredit vergeben werden. Daraus folgt, dass die Summe der Vermögen vereinfacht ungefähr gleich der Summe der Schulden sein muss. Somit muss mit einem exponentiellen Wachstum der Vermögen zwangsläufig auch die Summe der Schulden exponentiell wachsen. Mit dieser Erkenntnis stellt sich folgende grundlegende Frage: Ist ein exponentielles Wachstum in einer endlichen (auch globalisierten) Welt dauerhaft möglich? Oder sinnvoll?

Was ist die Folge, wenn der zinsbedingte Vermögenszuwachs längerfristig größer ist als die Wachstumsrate der (realen) Wirtschaft? Könnte dies womöglich erklären, warum nach Jahrzehnten ohne Kriegseinwirkung in Deutschland das Geld knapp zu werden scheint? Inwiefern ist der allgegenwärtige Wachstumszwang unserer Wirtschaft im gegenwärtigen Geldsystem begründet?

Wer profitiert vom gegenwärtigen Geldsystem? Kredite werden sowohl von Privatleuten als auch der Wirtschaft (Handwerk/Industrie/Dienstleistern) sowie dem Staat aufgenommen. Letztlich kann sich niemand der Zahlung von Schuldzinsen entziehen, denn zumindest die Finanzierung der Schuldzinsen von Wirtschaft und Staat muss von der Allgemeinheit über Preise bzw. Steuern und Abgaben bewältigt werden. Somit führen die gegenwärtigen Geldeigenschaften zu einer systembedingten Umverteilung von unten nach oben mit dem Ergebnis, dass Vermögen (nicht nur in Deutschland) nicht nur äußerst ungleich verteilt ist, sondern auch der Grad der Ungleichheit tendenziell wächst.

Wie könnten alternative Geldsysteme ausgestaltet werden? Können solche Ansätze auf der individuellen Ebene umgesetzt werden? Vor diesem Hintergrund gibt es genügend Ansporn, sich mit Geldeigenschaften näher zu befassen und Konzepte wie z. B. CARLO oder o/ZB zu unterstützen, die der Gemeinschaft nützen, anstatt Einzelpersonen (zu Lasten der Gemeinschaft) zu extrem hohen, „leistungslosen“ Einkommen zu verhelfen.

Seit rund einem Jahr sind das Regionalgeld CARLO und die Spar- und Leihgemeinschaft o/ZB (ohne Zins) direkt im BUZO-Umweltzentum vertreten: Jeden Freitag zwischen 15 und 17 Uhr werden im direkten persönlichen Gespräch Informationen zu beiden Organisationen angeboten. Dabei werden Lösungsansätze für das oben angesprochene Geldproblem präsentiert, die auf der individuellen Ebene angesiedelt sind.

Termin: CARLO Info-Stand beim Frühlingsmarkt am Samstag, 24. März 2012, 8-12 Uhr (Freie Waldorfschule Karlsruhe-Waldstadt, Neisser Str. 2)

Gastbeitrag Roland Schulze ozB

Weitere Infos: carlo-regional.de oder ozb-ka.de

Literatur: Bernard Lietaer: Das Geld der Zukunft, 2002, ISBN 3-570-50035-7: Geldeigenschaften, Geldgeschichte, Zukunftsszenarien

Helmut Creutz: Das Geldsyndrom, 5. Auflage, ISBN 3-928493-46-9: Auswirkungen Zinseszins-System) auf Wirtschaft und Gesellschaft, Download 4. Aufl. kostenlos:   hier

Helmut Creutz: „Die 29 Irrtümer rund ums Geld“, 2004, ISBN 3-85436-362-1: wie „Das Geldsyndrom“, anders strukturiert, aktualisiert

Margrit Kennedy & Bernard Lietaer: “Regionalwährungen”, 2004, ISBN 3-570-50052-7: Anleitung Einführung Regionalwährung

Silvio Gesell: Die natürliche Wirtschaftsordnung, Nachdruck des Originals von 1916, ISBN 3-87998-421-2: erstmalige Beschreibung einer Umlaufsicherung („fließenden“ Geldes)

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Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/12

Stand des Artikels: 2012! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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