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Sperrmüll auf Abruf — umweltfreundlich?

Seit Januar 2013 wird der Sperrmüll in einigen Stadtteilen Karlsruhes nur noch auf Abruf abgeholt — „testweise“, so die offizielle Lesart. Verbesserungen der Sauberkeit erhofft sich die Stadt. Auch von einem günstigeren und bürgerfreundlicheren Verfahren ist die Rede. Wurde der Sperrmüll vorher zu zwei festen Terminen im Jahr nach Straßenzügen abgefahren, so muss jeder Haushalt nun einen individuellen Abholtermin vereinbaren und dabei konkret angeben, welche Gegenstände er als Sperrmüll abgeben will. Bereits drei Monate nach Start der Aktion sah sich das Abfallwirtschaftsamt zu einer positiven Zwischenbilanz in der Lage. Im Herbst folgte ein „durchaus positives“ Fazit: Nicht mehr erforderlich sei eine Nachreinigung, um Straßen und Wege von den Resten einer großen Straßensperrmüllaktion zu säubern. Durch das so ersparte Geld sei der Sperrmüll auf Abruf kostenneutral. Und: „Professionelle Sperrmüllsammler“ seien kaum noch zu beobachten. Zum Jahresanfang 2014 wurde das „Testgebiet“ prompt auf die Oststadt und Hagsfeld ausgedehnt.

Doch wie bürger- und vor allem umweltfreundlich ist der „Sperrmüll auf Abruf“ tatsächlich? Während der ökologische Vorteil bei der — derzeit heiß diskutierten — Einführung der Papiertonne auf der Hand liegt, erschließt er sich beim Sperrmüll auf Abruf nicht so recht. Als umweltbewusster Bürger hat man im Jahr üblicherweise vielleicht ein oder zwei Gegenstände, die zum Sperrmüll gehören. Bislang stellte man diese Gegenstände beim Sammeltermin an die Straße und freute sich darüber, falls sich vor der offiziellen Müllabfuhr noch jemand fand, der dafür Verwendung hatte. Den Sperrmüll auf Abruf zu bestellen, ist hingegen umständlich. Die Möglichkeit, dass abzugebende Gegenstände noch einmal ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden, ist jetzt ausgeschlossen. Dass Sperrmüllsammler keine Chance mehr haben, ist das erklärte Ziel der Neuregelung. Doch sind Sperrmüllsammler wirklich so schlimm? Ist es wirklich besser, wenn sämtliches Sperrgut, und zwar auch noch gut nutzbare Gegenstände, im Müllwagen geschreddert und anschließend allenfalls noch einer stofflichen Verwertung zugeführt werden können? Wohl kaum. Und zwar weder unter ökologischen noch unter sozialen Gesichtspunkten. Bestimmt gibt es auch heute noch — wie zur eigenen Studienzeit — Studentenbuden, die in erster Linie mit Möbeln vom Sperrmüll ausgestattet sind. Nicht nur für Studenten sind diese Möbel oft die einzigen, die sie sich leisten können. Die Tausch- und Geschenkbörse, die die Stadt als Alternative anbietet, ist zwar eine gute Idee, kann aber keinen Ersatz für die positiven Effekte des Sperrmüllsammelns bieten. Das dortige Angebot ist recht überschaubar. Vor allem Zeitgenossen, die so „umweltbewusst“ sind, dass sie Möbel als Modeartikel verstehen, die man nach wenigen Jahren regelmäßig austauscht, werden sich kaum die Mühe machen, nach Alternativen zum Sperrmüll zu suchen. Bei der klassischen Sperrmüllabfahrt fand hingegen erfahrungsgemäß noch manches Sperrgut unerwartet Liebhaber. Schlichte Holzbretter etwa können für Handwerker durchaus wertvoll sein und sind dann viel zu schade, um später bestenfalls als minderwertige Spanplatten recycelt oder gar gleich verbrannt zu werden.

Aus Platzgründen besteht hier keine Gelegenheit die weiteren Gesichtspunkte des Sperrmülls auf Abruf, bei denen die Wahrnehmung nicht weniger Bürger doch deutlich von denen des Abfallwirtschaftsamts abzuweichen scheint, zu diskutieren. Unter Umweltgesichtspunkten kann er jedoch kaum überzeugen. Bleibt die Frage, ob der Testversuch ernsthaft als Test gedacht ist oder, wie wir es bei dem zeitgleich als angeblichem Testversuch gestarteten obligatorischen Vordereinstieg in die Busse des Stadtverkehrs erlebt haben, das — wenig überzeugende — Ergebnis bereits von Anfang an feststand.

Reiner Neises

Der Tausch- und Geschenkmarkt der Stadt findet sich unter karlsruhe.internet-verschenkmarkt.de

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/14

Stand des Artikels: 2014! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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