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Gas- statt Kohle-Kraftwerke — Umweltbelastung für Karlsruhe minimieren!

Kohleverbrennung in Karlsruhe — zweifelhafter Fortschritt im Hinblick auf Klima und Umwelt; Foto: Johannes Meister

Am Karlsruher Rheinhafen planen EnBW und die Papierfabrik StoraEnso den Neubau bzw. Umbau von Kraftwerksblöcken. Die Bürgerinitiative "Das bessere Müllkonzept — ohne Verbrennung" und die Bürgervereine von Knielingen und Daxlanden hatten am 26.4.2007 zu einer gut besuchten Info-Veranstaltung unter dem Motto “Im Westen viel Neues” eingeladen. Vor allem die geplante Kohleverbrennung gibt Anlass zu heftiger Kritik im Hinblick auf Klimawandel und Luftbelastung.

Erweiterung des Kraftwerks der EnBW

Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk (RDK) der EnBW am Rheinufer besteht bisher aus 7 Kraftwerksblöcken. Davon sind die ältesten Blöcke 1 bis 3 dauerhaft stillgelegt. Der Block 4S wurde in jüngerer Zeit modernisiert. Er wird mit Gas betrieben und erzeugt eine elektrische Leistung von 350 MW. Die ebenfalls mit Gas betriebenen Blöcke 5 und 6 dienen zurzeit nur als Reserve. Der Block 7 wird mit Kohle betrieben und erzeugt 550 MW. Beide aktiven Blöcke erzeugen auch Fernwärme, die allerdings nur im Winterhalbjahr sinnvoll genutzt werden kann. Die übrige Abwärme wird durch Kühlung an das Wasser des Rheins abgeführt. Diese Art der Kühlung kommt im Sommer bei niedrigem Wasserstand des Rheins bereits heute oft an seine Grenzen, denn das Flusswasser darf maximal um einen bestimmten Betrag aufgeheizt werden, ansonsten wird das “Ökosystem Rhein” durch die damit verbundene Sauerstoffabnahme in Gefahr gebracht. Die Leistung des Kraftwerks muss dann entsprechend reduziert werden. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen gering zu halten, hat EnBW in der Vergangenheit für das bestehende Kraftwerk in Karlsruhe bereits Sondergenehmigungen beantragen müssen und auch erhalten.

Die EnBW möchten jetzt Ersatz für stillzulegende Atomkraftwerke schaffen und planen deshalb in Karlsruhe folgende Erweiterungen: Der bisher passive Block 6 soll modernisiert werden und als Block 6S mit Gas betrieben eine Leistung von 400 MW erzeugen. Ganz neu gebaut werden soll ein mit Steinkohle betriebener Block 8 mit 800 MW Leistung. Damit erhöht sich die Gesamtleistung (ohne die in Reserve liegenden Blöcke) von 900 MW auf 2100 MW. Das führt unweigerlich zu einer erheblichen Zunahme des Schadstoffausstoßes. Insbesondere der neue Kohle-Block ist problematisch, denn bei der Verbrennung von Kohle fällt bei gleicher erzeugter Leistung ungefähr doppelt so viel klimaschädliches CO2 an wie bei der Verbrennung von Gas. Auch bezüglich anderer Schadstoffe schneidet die Kohleverbrennung viel schlechter ab, beispielsweise fallen Feinstäube und Schwermetalle nur bei der Verbrennung von Kohle an, nicht aber bei der von Gas.

Kohleverladung beim RDK am Rheinhafen. Die EnBW setzt weiter auf diesen wenig umweltfreundlichen Brennstoff; Foto: Wolfgang Melchert.

Angesichts dieser Nachteile der Kohleverbrennung für die Umwelt stellt sich natürlich die Frage, warum die EnBW einen neuen Kohleblock bauen will und nicht ausschließlich auf Gas setzt. Ein anwesender Mitarbeiter der EnBW begründete dies so: “Kohle ist billiger als Gas, ihre Vorräte sind für längere Zeit verfügbar und sie kann notfalls auch in Deutschland gefördert werden, und Gas ist zu schade zum Verbrennen”. Dass Kohle heute billiger ist, ist zwar richtig, aber der Kohlepreis auf dem Weltmarkt wird in Zukunft wegen des steigenden weltweiten Bedarfs steigen. Beispielsweise nimmt China alle zweieinhalb Tage ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb. Und zu schade zum Verbrennen sind eigentlich alle fossilen Energieträger — also auch die Kohle. Von Vertretern der Bürgerinitiative wurde als weiterer Grund für den Einsatz von Kohle der Handel mit CO2-Emissionsrechten genannt, denn Kraftwerksbetreiber bekommen für neue Kohlekraftwerke mehr CO2-Emissionsrechte als für neue Gaskraftwerke. Wollten die Betreiber diese Emissionsrechte allerdings gewinnbringend verkaufen, müssten sie die Leistung des dazugehörenden Kraftwerks wieder deutlich reduzieren, denn ansonsten benötigen sie die Emissionsrechte ja für dessen Betrieb.

Ein weiteres Problem der neuen Kraftwerksblöcke ist die Kühlung. Da die Kühlung allein durch das fließende Wasser des Rheins hierfür nicht mehr ausreichen wird, plant die EnBW den Bau eines Kühlturms. Ein solcher Turm stößt wegen seiner Größe bei den Bewohnern der angrenzenden Stadtteile auf wenig Begeisterung. Deshalb wird als Alternative auch ein kleinerer Kühlturm mit Zwangsbelüftung durch Ventilatoren geprüft. Eine solche aktive Kühlung hat aber den Nachteil, dass sie zusätzliche Energie verbraucht, verglichen mit der klassischen Variante, deren Wirkung allein auf dem Kamineffekt des hohen Turmes beruht.

Umbau des Kraftwerks der Papierfabrik StoraEnso

Neben der EnBW hat auch der Papierproduzent StoraEnso die Genehmigung für den Bau einer Verbrennungsanlage beantragt. Für die Erzeugung von Strom und Prozesswärme betreibt sie heute bereits ein eigenes Kraftwerk mit 160 MW Leistung. Verbrannt werden ca. 10 % Rindenabfälle und ca. 90 % Gas. StoraEnso möchte dieses Kraftwerk jetzt auf eine andere Feuerung umbauen, wobei die Leistung mit 170 MW ungefähr gleich bleibt. Verbrannt werden sollen zukünftig pro Jahr 150 bis 200 t Rinden- und Holzabfälle sowie Papierschlämme aus der eigenen Produktion, 120 bis 360 t von auswärts bezogenen Holzabfällen, darunter auch bestimmte Mengen schadstoffhaltiger Holzabfälle, sowie 40 bis 200 t Kohle. Verbrannt werden also ganz andere und viel problematischere Stoffe als heute. Das neue Kraftwerk wird deshalb erheblich mehr CO2, Feinstaub und Umweltgifte ausstoßen als das jetzige.

Man fragt sich auch hier wieder, warum Gas durch Kohle ersetzt werden soll. Problematisch ist zusätzlich, dass durch die Mischung mit Abfällen und das hierfür notwendige Verbrennungsverfahren mehr Schadstoffe erzeugt werden als bei der optimierten Verbrennung im Rheinhafendampfkraftwerk. Auch fragt man sich, warum es keine Zusammenarbeit mit dem wenige km entfernten Kraftwerk der EnBW gibt, das Strom und Wärme auch für StoraEnso viel effektiver erzeugen könnte.

Schornsteine des RDK. Es sollen weitere dazukommen, die noch mehr Abgase ausstoßen; Foto: Wolfgang Melchert.

Obwohl das neue Kraftwerk also ganz anders betrieben wird als das bisherige, gilt die Maßnahme nicht als Neubau, sondern nur als Umbau, und es genügt eine einfache "Änderungsgenehmigung", weshalb es wenig Einspruchsmöglichkeiten gibt.

Weitere Kraftwerke und Schadstoffquellen

Leider sind die Kraftwerke von EnBW und StoraEnso nicht die einzigen Schadstoffquellen am Karlsruher Rheinufer, sondern es gibt in unmittelbarer Nachbarschaft noch weitere Anlagen, deren Schadstoffe bereits heute die Karlsruher Luft belasten. So entstand auf der Pfälzer Seite auf dem ehemaligen Raffineriegelände die Papierfabrik Palm, die ein eigenes Kraftwerk mit 170 MW betreibt. Verbrannt werden dort zu ca. 1/3 Abfälle aus dem eigenen Betrieb und zu ca. 2/3 Erdgas. Eine weitere große Quelle von Schadstoffen ist natürlich auch die Karlsruher Raffinerie Miro. Aber während hier mit großem Aufwand der jährliche Ausstoß von Stäuben um 20 t reduziert wurde, gibt StoraEnso zukünftig jedes Jahr 30 t Staub pro Jahr mehr als heute an die Umwelt ab.

Was können wir tun?

Im Fall StoraEnso sind die Möglichkeiten sehr beschränkt, da keine Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgt und damit keine Einspruchsmöglichkeit für den Bürger besteht. Hier kann man nur an die Betreiber appellieren, mit Gas statt Kohle zu heizen und auf die Verbrennung schadstoffhaltiger Abfälle ganz zu verzichten.

Im Fall des geplanten Kohleblocks der EnBW kann jeder Bürger im Beteiligungsverfahren Einspruch einlegen. Ein Formular erhalten Sie im Umweltzentrum und finden Sie auf der Internetseite der BUZO:

www.umweltzentrum-karlsruhe.de/html/EinwendungENBW.html

Ansprechen und anschreiben kann man:

Abgeordnete und Fraktionen im Gemeinderat karlsruhe.de/rathaus/gemeinderat/abgeordnete.de

Abgeordnete im Landtag karlsruhe.de/rathaus/gemeinderat/abgeordnete.de

EnBW enbw.de

Regierungspräsidium rp.baden-wuerttemberg.de

Tageszeitung, Leserbriefe: bnn.de, ka-news.de

Ziel sollte sein, Erdgas statt Kohle als Brennstoff einzusetzen, um die Karlsruher Luft vor zusätzlichem CO2, Feinstaub und anderen Luftschadstoffen zu bewahren. Die Entscheidungen der Wirtschaftsunternehmen EnBW und StoraEnso darf nicht einfach widerspruchslos hingenommen werden. Es geht um die Gesundheit und Zukunft von uns allen.

Wolfgang Melchert
Johannes Meister

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 2/07

Stand des Artikels: 2007! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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