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Nachtzug nach Berlin und Prag im Karlsruher Hauptbahnhof; Fotos: Johannes Meister

Gute Nacht Nachtzug!

Manche verbinden mit dem Nachtzug Sehnsüchte nach außergewöhnlichen Reisen, Erinnerungen an Jugendzeiten, nutzen ihn als praktische Möglichkeit, im Schlaf ihr Ziel zu erreichen, oder denken an schlaflose Nächte in vollen überhitzten Liegewagen-Abteilen. Doch wie dem auch sei, eine Ära des Eisenbahnverkehrs geht in Deutschland nun wohl endgültig zu Ende. Die Deutsche Bahn wird zum Jahresende ihren Nachtzugverkehr einstellen. Zu groß seien die Verluste, zu groß die Konkurrenz von Fernbus und Billigflieger. Doch der Nachtzugverkehr kann auch heute noch sinnvoll betrieben werden, davon ist die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) überzeugt. Anders als die DB Autozug investiert sie in neue Schlaf- und Liegewagen.

Als Ersatz für die Nachtzüge kündigt die Deutsche Bahn die Erhöhung der Anzahl von Nacht-ICE-Zügen an. Dass dies keine Alternative sein kann, weiß der Autor aus eigener Erfahrung: Im Großraumabteil kehrt keine Ruhe ein, bei kaltem hellem Neonlicht ist an Einschlafen nicht zu denken und wenn es dann doch endlich gelingt, wird man nach 2 Uhr Nachts wegen Personalwechsel zur Fahrkartenkontrolle geweckt. Hier hat sich die Deutsche Bahn endgültig vom Servicegedanken verabschiedet.

Eine Recherche im Internet zeigt schnell, dass weder Flugverkehr noch Fernbus eine wirkliche Alternative zum Nachtzug bieten. Auch im Hinblick auf die Stärkung der Bahn als ökologische Alternative zum Straßen- und Luftverkehr sollte der Bund als Eigentümer eine Zukunft des Nachtreiseverkehrs auf der Schiene ermöglichen. Der VCD setzt sich aktiv für den Ausbau des Nachtzugverkehrs ein ( vcd.org/themen/bahn/nachtzuege/ ). Weitere Initiativen, die sich für den Nachtzug engagieren, sind im Blog nachtzug-retten.de zusammengestellt. Ca. 30.000 Unterschriften der Petition „Rettet die Nacht- und Autozüge“ wurden über WeAct gesammelt ( weact.campact. de/petitions/rettet-die-nacht-und-autozuge-1 ) und Ende Mai Bundesverkehrsminister Dobrindt übergeben. Das Bündnis „Bahn für Alle“, dem auch VCD und Pro Bahn angehören, hat sogar ein eigenes Konzept „LunaLiner“ entwickelt ( bahn-fuer-alle.de ).

Derzeit sieht es leider nicht danach aus, dass die Deutsche Bahn ihre Pläne noch ändert. Für Karlsruhe verbliebe noch der Nachtzug der Russischen Staatsbahn Paris — Karlsruhe — Berlin — Warschau — Moskau, der derzeit dreimal in der Woche fährt. Im Gegensatz zu früher ist er jedoch nicht mehr im Auskunftssystem der Deutschen Bahn zu finden. Einziger Hoffnungsschimmer: Es gibt Überlegungen der ÖBB, einige deutsche Nachtzuglinien zu übernehmen. Auch wenn das ein Trost wäre, würden selbst in diesem Fall die Nachtzüge von Karlsruhe nach Amsterdam und Prag bereits in wenigen Monaten Geschichte sein.

Johannes Meister

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