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Staustufe Iffezheim: Umlagerung von Baggergut

Staustufe Iffezheim aus der Luft. Foto Fabry

Der Rhein im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Wirtschaftlichkeit Der Rhein und seine Auen sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Erholungsraum für uns Menschen und auch für die Trinkwasserversorgung von Bedeutung. Gleichzeitig wird der Rhein intensiv als internationale Wasserstraße, für die Industrie und die Energiegewinnung genutzt. Ökologie und wirtschaftliche Nutzung — beides soll sich nicht gegenseitig ausschließen. Hierzu haben die Rheinanliegerstaaten 1987 das “Aktionsprogramm Rhein” beschlossen: Der Rhein soll sauberer werden — und vieles ist auch schon erreicht worden. Dass die Abwägung zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökologie jedoch schwierig ist, zeigt als aktuelles Beispiel die geplante Umlagerung von Baggergut an der Staustufe Iffezheim.

Der Rhein transportiert tagtäglich Schwebstoffe aus seinen Zuflüssen in Richtung Nordsee. Diese lagern sich an ruhigen Stellen, wie z.B. am oberen Wehrkanal der Staustufe Iffezheim, ab und werden zum Problem, zumal sich dabei auch Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft im Rheinschlamm ansammeln. Bisher wurden die Sedimente ausgebaggert und beim Bau einer Mole als Baustoff wieder verwendet. Nun ist aber der Bau der Mole abgeschlossen. Wohin also mit dem Baggergut?

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Freiburg hat diverse Möglichkeiten untersucht, von der Baustoffherstellung bis zur Deponierung. Diese Maßnahmen kommen jedoch für das WSA Freiburg wegen der Eigenschaften des Baggergutes bzw. wegen der hohen Kosten, vor allem aber wegen der zeitlichen Dringlichkeit nicht in Frage. Der Rheinschlamm soll daher nördlich der Schleuse wieder in den Rhein geleitet werden.

Eine Untersuchung des Baggergutes auf Schadstoffe hat ergeben, dass der Rheinschlamm "umlagerungsfähig" ist. Jedoch hat sich die Konzentration des krebserregenden Stoffes Hexachlorbenzol (HCB) nicht nur im abgelagerten Material, sondern auch im Rheinwasser als überraschend hoch erwiesen. Die Schweb- und Schadstoffe sind zwar unabhängig von der Staustufe im Rheinwasser enthalten, jedoch wird deren Konzentration durch die Einspülung der Sedimente in den Rhein unterhalb der Staustufe Iffezheim in diesem Zeitraum erhöht.

Damit die Umwelt nicht geschädigt wird, wurden vom WSA Freiburg Randbedingungen so gewählt, dass die Vorgaben der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union eingehalten werden. So wird das Baggergut aus ökologischen Gründen nur außerhalb der Vegetationsperiode im Winterhalbjahr von November bis März dem Rheinwasser zugegeben. Die Umlagerung erfolgt jedoch nicht bei Hoch- oder Niedrigwasser, damit bei hohem Wasserstand nicht vermehrt Schadstoffe in die angrenzenden Rheinauen gelangen bzw. bei niedrigem Wasserstand die Schadstoffkonzentration nicht zu stark ansteigt. Eine Erhöhung um den Faktor 3 ist zulässig, eine Verdopplung ist die selbstgewählte Vorgabe.

Die Umlagerung soll, ein Einvernehmen mit dem Landratsamt Rastatt vorausgesetzt, Ende des Jahres beginnen und auch in den nächsten Jahren durchgeführt werden. Mittelfristig wird versucht, genau soviel Sedimente umzulagern, wie im Jahr anfallen. Langfristig möchte man die Strömungsverhältnisse in der Staustufe so verändern, dass die Ablagerungen erst gar nicht in dem hohen Umfang auftreten.

Dieses Beispiel zeigt, dass Eingriffe in den Naturhaushalt, wie hier der Bau der Staustufen zwischen Basel und Iffezheim, häufig im Vorfeld nicht vorhergesehene oder berücksichtigte Auswirkungen haben. Diese können meist nur mit hohem Aufwand, hohen Kosten und zusätzlichen Belastungen für die Umwelt behoben werden. Gleichzeitig wird wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, dass keine Schadstoffe in unsere Flüsse gelangen.

Johannes Meister

Siehe auch Artikel in der Ausgabe 1/05!

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 3/04

Stand des Artikels: 2004! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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