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König Autofahrer

Einseitige Bevorzugung der Autofahrer durch das Parkbonus-System

“Wo sind Sie als Kunde König?” bewirbt die City-Initiative das neue Parkbonus-System, das eine Reihe von Geschäften unter Federführung der Stadt Karlsruhe seit Juli in der Innenstadt anbieten. Und ein Leser beschwerte sich in den BNN vom 18.09.2005 gar über dessen “knausrigen Einsatz”.

Was verbirgt sich dahinter? Bei einem Einkauf ab einer bestimmten Summe, deren Höhe jeder Anbieter selbst festlegen kann, verteilen die teilnehmenden Geschäfte eine Silbermünze — werbewirksam als “Karlsruher” bezeichnet —, die sich nur in bestimmten Parkhäusern einlösen lässt. Die Münze hat im Parkhaus einen Gegenwert von 50 Cent, 40 Cent davon trägt das Geschäft.

Entgegen der geschickten, aber irreführenden Werbung durch die City-Initiative kann man die Münze im Öffentlichen Nahverkehr (ÖV) nicht einlösen. Die VBK teilten auf Nachfrage mit, dass eine Ausdehnung des Bonus-Systems auf Busse und Bahnen auch nicht beabsichtigt sei. Gefördert werden also nur einseitig Autofahrer, die meinen, trotz des hervorragend ausgebauten ÖVs mit dem Auto in die Stadt fahren zu müssen. Selbst Biosupermärkte und Reformhäuser beteiligen sich peinlicherweise vereinzelt an diesem Unfug. Und die Zeche zahlt ... der Kunde! Denn der Parkbonus — allein dessen Einführung kostete die City-Initiative nach eigenen Angaben 100.000 € — wird über die Preise wieder auf die Kunden umgelegt. Und zwar auch auf die Kunden, die mit Bahn oder Rad in die Stadt kommen. Die Grünen haben zwar inzwischen im Gemeinderat eine Initiative gestartet, die Vergünstigung auch auf den ÖV auszuweiten. Aber selbst wenn die VBK sich auf dieses aufwändige Bonussystem einlassen sollten, viele der Kunden, die umweltfreundlich anreisen, würden davon jedenfalls nicht profitieren und nur draufzahlen, so insbesondere alle Radfahrer und Bahnreisenden, die sich nicht für einen Nahverkehrszug entscheiden. Überteuert einkaufen müssten auch alle, die einmalig nach Karlsruhe kommen und ihre Fahrkarte für die Rückfahrt schon vor der Anreise lösen.

Im September legte die Stadt gleich noch einmal nach und präsentierte eine weitere Subventionierung der Autofahrer. In Durlach und Mühlburg gibt es nun eine sogenannte “Brötchentaste” an Parkscheinautomaten. Sie ermöglicht ein kostenloses Parken bis zu einer halben Stunde, zum Brötchenholen eben. Der Name scheint Programm. Denn dass eine Autofahrt vermeidbar ist, dürfte bei kaum einem Anlass so deutlich auf der Hand liegen wie beim Brötchenkauf. Dennoch ist der Stadt diese Vergünstigung für Autofahrer 15.000 € wert. Wird das Projekt nach einjähriger Probephase fortgesetzt, verzichtet sie noch einmal freiwillig jedes Jahr auf Parkgebühren von 5.000 €. Kommentar der City-Initiative dazu: “Da kommt Freude auf!”

Fazit: Die Frage der City-Initiative “Wo sind Sie als Kunde König?” lässt sich leicht beantworten. Bei der City-Initiative jedenfalls nicht. Dort ist nicht der Kunde König, sondern der Autofahrer. Der Kunde ist der Dumme. König Kunde bin ich allenfalls in den Geschäften, die sich an dieser Initiative nicht beteiligen. Alle, die noch einen Funken Umweltbewusstsein haben, sollten sich daher dort, wo sie Kunde sind, dafür einsetzen, dass sie nicht über ihren Einkauf Autofahrer mitfinanzieren.

P.S.: Leider sind solche Vergünstigungen für Autofahrer, wie sie Stadt und City-Initiative entwickeln, kein Einzelfall. Eine Reihe von Geschäften haben außerhalb der City-Initiative ihren eigenen Parkbonus oder bieten etwa Ermäßigungen für ADAC-Mitglieder an. Umweltbewusste Kunden nehmen das offensichtlich selten wahr, da es sie auf den ersten Blick nicht zu betreffen scheint. Über die Preise zahlen sie aber überall mit.

Gastbeitrag von Reiner Neises

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 3/05

Stand des Artikels: 2005! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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