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100 Jahre Verkehrsbetriebe in Baden-Baden

In diesem Jahr, genau am 17.7.2010, feierten die „Städtische Straßenbahn Baden-Baden“, die „Baden-Badener Verkehrsbetriebe“ und die „Baden-Baden-Linie“ — so hieß und heißt das Unternehmen über die Jahre — ihren hundertsten Geburtstag. Es wurde mit einem Tag der offenen Tür auf dem Betriebshof Lichtental mit einem umfangreichen Programm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begangen.

Alte Straßenbahn Baden-Baden; Foto: Johannes Hertel

Auf dem Gelände des Hofes war der letzte noch existierende Straßenbahnwagen Baden-Badens ausgestellt, ein zweiachsiger Triebwagen, der nach Ulm verkauft wurde und dort als Personentriebwagen, Arbeitswagen und jetzt als Partywagen überlebt hat. Außerdem war ein Querschnitt durch die Baden-Badener Busflotte zu sehen und die neueste Kreation eines Daimler-Benz-Gelenkbusses.

Vor dem Betriebshof, auf der Straße und in der dortigen Wendeschleife spielte sich auch etwas Interessantes ab: Dort konnte man mit einem ehemaligen Baden-Badener O-Bus eine Fahrt nach Oberbeuern und zurück machen, s. Bild. Zu diesem Zweck war er mit einem Generatoranhänger, der für die nötige Elektrizität sorgte, versehen. Dank der finanziellen Hilfe der Stadtsparkasse Baden-Baden-Gaggenau konnte dieser O-Bus mit der Nummer 224 von seinem jetzigen Standort, dem East Anglia Transport Museum in Carlton Colville, England die Reise nach Baden-Baden antreten. Er war schon einmal in Baden-Baden, zum 90jährigen Jubiläum der Merkurbergbahn! Und dieser O-Bus ist nicht der einzige Baden-Badener, der überlebt hat; es gibt in dem englischen Museum noch einen zweiten, der, wie die Nr. 224, fahrtauglich ist, gut restauriert ist und im dortigen Gelände fahrend bestaunt werden kann.

Alter O-Bus Baden-Baden; Foto: Johannes Hertel

Noch einige weitere Programmpunkte der reichlichen Auswahl: Besichtigung der Verkehrsleitstelle, selber Busfahren unter Anleitung der Fahrschule, Probeunterricht in der Fahrschule, Vortrag über Fahrausweisautomaten und eine Besichtigung der Werkstatt. Außerdem gab es eine Fotoausstellung „Die Verkehrsbetriebe gestern und heute“, Präsentationen von alten Filmen, Mitfahrt bei einer Buswäsche und natürlich reichlich zu essen und zu trinken. — Es war ein sehr aufwendiges und gelungenes Fest!

Kurz zur Geschichte des Personennahverkehrs in Baden-Baden:

Bis 1910 verkehrten innerhalb des Stadtgebiets von Baden-Baden private Pferdeomnibusse. Am 24.1.1910 war es dann soweit: Die elektrische Straßenbahn in Baden-Baden nimmt ihren Betrieb auf. Der Ausbau des Netzes bis zu seiner größten Ausdehnung dauerte bis 1929. Es gab bis zur Einstellung zwei Linien: Die Tallinie vom Bahnhof Baden-Baden-Oos bis nach Oberbeuern mit 8,6 km Länge und die Berglinie vom Merkurbergbahnhof bis zum Tiergarten mit 6,2 km Länge. Es wurde auf Verschleiß gefahren, und im Krieg gab es weder neue Gleise noch neue Weichen und für die Fahrzeuge keine Ersatzteile, so dass der Polizeidirektor schon 1947 den Betrieb einstellen lassen wollte.

1949 begann dann in Baden-Baden die O-Bus-Zeit. Die Straßenbahnwagen wurden verkauft nach Heilbronn, Koblenz, Münster und Ulm, und teilweise wurden sie verschrottet. Der in Baden-Baden anlässlich des Jubiläums ausgestellte Triebwagen ist tatsächlich der einzige überlebende Straßenbahnwagen aus dieser Stadt und noch dazu einer aus der ersten Lieferserie! — Im Juni 1949 wurde die erste O-Busstrecke dann eröffnet, und zwar auf der Tallinie auf dem Abschnitt Leopoldsplatz bis zum Bahnhof in Baden-Oos. Der Ausbau der Strecken, die die gleichen waren, wie bei der Straßenbahn, zog sich bis 1951 hin; der letzte Ausbauabschnitt war das Teilstück Frühlingsstraße bis zur Endstelle in Oberbeuern. Angefangen wurde mit 14 Wagen: 11 Neue, 2 Gebrauchte und 1 Geliehener. Auf der Tallinie wurde mit Anhänger gefahren. Aber ab 1.7.1960 galt eine neue StVZO, die den Betrieb mit Anhängern gesetzlich verbot. Man kam auf die Idee, Gelenk-O-Busse einzusetzen, es gab aber keinen Hersteller, der so etwas baute. Selbst ist der Mann: Man trennte in der heimischen Werkstatt die Karosserie von den Fahrgestellen und schickte diese zur Firma Kässbohrer in Ulm, die dort eine entsprechende Karosserie drauf setzten, einen Nachläufer bauten und alles mit einem Drehschemel zwischen den beiden Teilen zu einem Gelenk-O-Bus zusammensetzten. So hatte man fast die gleiche Kapazität erreicht wie bei einem Solo-O-Bus mit Anhänger. Heute sind Anhänger übrigens wieder erlaubt! Im Juli 1971 wurde der O-Bus-Betrieb eingestellt. Er währte nur 22 Jahre! Schade, es war für eine Kurstadt das richtige, umweltfreundliche Verkehrsmittel! — Am 31. Juli hatte die Tallinie ihren O-Bus-Betrieb eingestellt, die Berglinie folgte etwas später, so dass jetzt alle Linien, die Innenstadt- und die Außenlinien mit Dieselbussen betrieben wurden.

Der Betrieb expandierte: 1996 wird dem Karlsruher Verkehrsverbund beigetreten, ab Juni 2001 wird der Baden-Airpark an das Netz der Baden-Baden-Linie angeschlossen, ab Fahrplanwechsel 2000 gibt es eine Schnellbuslinie nach Bühl Bahnhof und Ende 2006 wird die neue Cité (ein Wohn- und Gewerbegebiet im ehemaligen Franzosenviertel) mit der Linie 205 mit der Innenstadt und dem Bahnhof verbunden — um nur die wichtigsten Neuerungen zu nennen. Heute werden mit den Baden-Baden-Linien täglich ca. 28.000 Fahrgäste befördert. Die das lange Oostal bedienende Hauptlinie 201 fährt von 6.00 Uhr bis 19.30 Uhr alle 10 Minuten und danach bis 1.00 Uhr alle 20 Minuten um die Stadtbahnen und Regionalzüge zu bedienen; für eine Stadt dieser Größenordnung ein außergewöhnlicher Service. — Zuletzt noch einen kurzen Blick auf die Merkur-Bergbahn, eine Standseilbahn auf den Hausberg bei Baden-Baden: Eröffnung August 1913, Stilllegung 1967, Wiederinbetriebnahme der vollautomatisierten Bahn April 1979, Bahnlänge 1.192 Meter, Steigungen zwischen 23 % und 54 %. Damit ist sie eine der steilsten Standseilbahnen in Deutschland.

Soweit ein kurzer Abriss über den ÖPNV in Baden-Baden. Wer sich weiter informieren will: Die Stadtwerke haben zum 100jährigen Jubiläum der Verkehrsbetriebe ein Buch herausgegeben: „Bitte einsteigen — 100 Jahre Verkehrsbetriebe Baden-Baden“, ISBN 978-3937978-41-3, 24,80 €

Johannes Hertel

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 3/10

Stand des Artikels: 2010! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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