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Protest gegen Gen-Mais-Anbau im Kreis Karlsruhe

Vorhaben baden-württembergischer Landesinstitutionen

Zum ersten Mal sind in der Region Karlsruhe Vorhaben bekannt geworden, gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen. Die Pläne für die Aussaat von Gen-Mais in Rheinstetten, Kraichtal-Münzesheim und Linkenheim-Hochstetten waren Anfang des Jahres im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet. Der so genannte Bt-Mais der Linie MON810, dem ein Insektengift zur Abwehr des schädigenden Maiszünslers, eines Schmetterlings, eingebaut ist, kann seit dem vorigen Jahr in der EU großflächig ausgesät werden. Schon vorher gab es auch am Oberrhein einen “Erprobungsanbau” von Gen-Mais, die Flächen wurden aber geheim gehalten. Mit dem Gentechnik-Gesetz der letzten Bundesregierung wurde 2005 die Anmeldung solcher Vorhaben im Standortregister mindestens drei Monate vorher zur Pflicht, und im Internet sind die Flächenangaben öffentlich einsehbar.

Die große Mehrheit der Menschen will die Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln aus guten Gründen nicht. Dies wurde auf die Nachricht von den Gen-Mais-Plänen hin sofort wieder deutlich. Landwirte und Landwirtinnen mit Öko-Anbau und mit konventioneller Wirtschaftsweise taten sich gegen die Anbauvorhaben zusammen, viele weitere Bürgerinnen und Bürger bekundeten ihre Ablehnung, Umweltverbände und kirchliche Gruppen protestierten, und Gemeindeverwaltungen mit den Bürgermeistern voran wehrten sich. Neben Presse und Radio berichteten darüber auch Südwest-Fernsehen und ZDF.

Das Besondere an den Vorhaben ist: Kein privater landwirtschaftlicher Betrieb wünscht die Gentechnik auf seinen Feldern, stattdessen sind es jetzt staatliche Stellen, die den Gen-Pflanzen zum Durchbruch verhelfen wollen. Verantwortlich ist vor allem die Landesregierung von Baden-Württemberg, die nach eigenen Angaben vorläufig den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht empfiehlt und dem Schutz der Öko-Betriebe und der konventionellen Landwirtschaft ohne Gentechnik absoluten Vorrang einräumt, aber mit den Gen-Mais-Projekten ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt hat.

In Rheinstetten hat die Landesanstalt für Pflanzenbau Forchheim eine Aussaat angekündigt, und zwar im Rahmen eines Bundesprogramms, mit dem die Ausbreitung des Mais-Pollens und damit Auswirkungen auf Nachbarfelder untersucht werden sollen. Solche Untersuchungen zum Mais liegen allerdings schon seit Jahrzehnten vor. Es ist nicht erforderlich, vielmehr gefährlich, sie mit Gen-Pollen zu wiederholen. Denn wenn, wie zu erwarten ist, diese Versuche ergäben, dass der Pollen sich unkontrolliert ausbreiten kann, dann hätten sie den Schaden schon angerichtet, den sie eigentlich verhindern sollten.

Für das Vorhaben in Kraichtal-Münzesheim, ebenso wie für ein weiteres in Ladenburg bei Heidelberg, erklärte sich die Staatliche Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Augustenberg in Karlsruhe gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt des Landkreises zuständig. Dort geht es um Sortenversuche, mit denen das Land die Leistung neuer Pflanzen testet. Der Versuch mit Gen-Mais in Kraichtal wurde wegen des Widerstands der Bevölkerung rechtzeitig vor der Aussaat wieder aufgegeben.

Ein Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe hat für einen weiteren Gen-Mais-Versuch auf seinem privaten Grundstück in Linkenheim zwar nur 4 Quadratmeter angemeldet, und die Blütenknospen sollten abgeschnitten werden; aber auch dieses Experiment zu Wirkungen auf Bodenorganismen passt nicht in die Landschaft und diskreditiert die staatlichen Forschungseinrichtungen.

Der für Ende April bis Anfang Mai angekündigte Gen-Mais-Anbau richtet sich gegen die “Gentechnikfreie Region Mittlerer Oberrhein”, die im Frühjahr 2005 ausgerufen worden ist und mit der Unterstützung von inzwischen mehr als 1.000 Menschen, Organisationen und Unternehmen den Widerstand der Bevölkerung gegen die Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln dokumentiert. Die Beteiligten wissen, dass die Risiken der Gentechnik für Menschen und Ökosysteme unabsehbar sind. Zugleich sind die Anbaupläne in der Region wegen der Gefahr der Verunreinigung angrenzender Flächen ein Angriff auf die Bemühungen der großen Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe im oberrheinischen Mais-Saatguterzeugungsgebiet, ihren Anbau gentechnikfrei zu halten und damit Marktchancen zu sichern.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Regionalverband Mittlerer Oberrhein, nannte die gentechnischen Vorhaben riskant und unnötig. Für Umweltbewusste ist klar: Es gibt keine Freiheit mehr, sich für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden, wenn sich Verunreinigungen durch genveränderte Pflanzen in der Landwirtschaft ausbreiten können. Ebenso gefährden die Gentechnik-Anbauvorhaben die Freiheit, ohne Gentechnik anzubauen und damit hohe Qualität anzubieten. Sie sind im Interesse der Gentechnik-Konzerne, nicht der heimischen Landwirtschaft. Das vom Bt-Mais ständig produzierte Schädlingsgift tötet auch viele nützliche Insekten. Und die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind unbekannt.

Die Karlsruher Umweltverbände haben die Gentechnik in Lebensmitteln und Landwirtschaft bei einer Podiumsdiskussion mit Kandidatinnen und Kandidaten für den Landtag an der Universität zum Thema gemacht. Etwa 100 Interessierte kamen zu der Veranstaltung von BUND, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet (BUZO), Greenpeace, Landesnaturschutzverband, Katholischer Hochschulgemeinde und Bürgerinitiative Beiertheimer Feld. Am Ende schien es möglich, dass in nächster Zeit der demokratische Wille der Menschen in der Region verstärkt zum Ausdruck kommt: Inzwischen hat in Rheinstetten der Gemeinderat beschlossen, auf Gemeindeland keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen zu lassen und dem Aktionsbündnis “Gentechnikfreie Region Mittlerer Oberrhein” beizutreten. Zuvor waren entsprechende Entscheidungen in Weingarten, Waldbronn und Karlsbad gefallen. Auch für Karlsruhe gibt es eine solche Aussicht - und für weitere Städte und Gemeinden.

BUND-Logo

Gastbeitrag von Matthias Kunstmann,
bund.net/mittlerer-oberrhein/gfr.htm

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/06

Stand des Artikels: 2006! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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