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Sind regenerative Energiequellen die Lösung aller Probleme?

Am Sparen führt kein Weg vorbei!

Am Nutzen und Ausbau der regenerativen Energiequellen führt kein Weg vorbei. Ebenso ist es wichtig, durch neue Technologien den Energieverbrauch zu reduzieren.

Trotzdem habe ich meine Probleme wenn ich sehe mit welcher Euphorie die regenerative Zukunft gesehen wird.

Regenerative Energie ist Energie im Überfluss und deshalb glauben viele Menschen, dass wir unseren Lebensstandard mit permanenten Wachstumsraten wie gehabt stetig weiter steigern können. Eine Lücke zwischen Energieangebot und Energieverbrauch kann es dann nicht mehr geben, eher gibt es zu viel Energie, so die weitverbreitete Meinung. Diese Denkweise ist blauäugig, und selbst wenn es so wäre, würde dies der Menschheit nützen?

Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Knappheit. Nicht umsonst sind Sparsamkeit und verantwortungsvoller Umgang mit Gütern positiv besetzte menschliche Tugenden. Die wenigen Gesellschaften, die in der Vergangenheit im Überfluss lebten, haben nicht überlebt oder sind in die Bedeutungslosigkeit abgesunken. Also hat Überfluss Gesellschaften schon immer geschadet.

Aber dieser kleine Ausflug soll nicht vom eigentlichen Anliegen ablenken, nämlich der Frage, was ist letztendlich sinnvoller: Den Energieverbrauch in unserer Gesellschaft, und damit von jedem Einzelnen zu reduzieren oder die regenerativen Energiequellen mit aller Kraft auszubauen?

Die Antwort ist einfach, denn solange noch Atomkraftwerke und fossile Kraftwerke unsere elektrische Energie erzeugen und solange die meisten Verkehrsmittel und Gebäudeheizungen auf endliches Öl, Gas und Kohle angewiesen sind, müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um uns von diesen Energiequellen unabhängig zu machen, bevor wir dies zwangsläufig müssen. Also Vorbeugen ist angesagt! Alternativen müssen her und das sind die regenerativen Energiequellen.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Wie werden die regenerativen Energiequellen erschlossen, wo werden diese erbaut und vor allem wie viel davon.

Energieberg in Karlsruhe; Foto: Mari Däschner

Photovoltaik

Die Energieausbeute aus Photovoltaikzellen auf eigenem Dach ist heutzutage trotz immer geringerer Einspeisevergütung eine sehr attraktive Art der Energieerzeugung. Wer jedoch behauptet, mit einigen Solarzellen auf dem Garagendach ein Elektroauto fahren zu können, unterschätzt den Energieverbrauch, der zum Betrieb dieser — nicht zuletzt durch die großen Batterien — schweren Fahrzeuge notwendig ist. Das Auto kann dann nicht mehr als sparsam bezeichnet werden.

Windenergie

Die derzeit effektivste Form der regenerativen Energiegewinnung. Riesige Anlagen im Meer sollen künftig gewaltige Strommengen in die europäischen Netze einspeisen. Immerhin, mit dem zwanzigfachen an Windstrom, könnte in Deutschland komplett die Stromversorgung gesichert werden. Ein Problem wäre dann aber noch nicht gelöst, die unterschiedlichen Einspeisemengen durch unterschiedliches Windaufkommen. Gelöst werden könnte dies durch riesige Speicherseen für Pumpspeicherkraftwerke. Umweltpolitisch aber sehr fragwürdig.

Biomasse, Energiepflanzen

Die Euphorie um Treibstoff- und Brennstoffersatz durch Biomasse hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Die Gründe liegen auf der Hand: Wenn potenzielle Ackerfläche, die für die Lebensmittelproduktion nötig wäre, umgenutzt wird, ist es moralisch kaum vertretbar, dort Benzin oder Dieselersatz zu produzieren. Noch fragwürdiger wird es, wenn dafür Lebensmittel wie Raps, Mais oder Weizen verwendet werden. Trotzdem steigt der Anteil an Biomasse im Treibstoff jetzt auf 10 % beim neuen Sprit E 10. Hoffentlich wird dieser Anteil durch die Gesetze nicht weiter erhöht! Ohnehin wäre es sinnvoller, die Häufigkeit der Fahrten mit dem individuellen Kraftfahrzeug zugunsten des öffentlichen Verkehrs zu reduzieren. Damit würde Treibstoff gespart und alle sonstigen negativen Auswirkungen des Auto- und Motorradverkehrs reduziert. Letztendlich würde durch eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs auch unsere Lebensqualität erhöht.

Wasser-, Gezeiten-, Blockheizkraftwerke, Solarthermie, Heizen mit Holz, ...

Es wird in der Zukunft einen ganzen Strauß an Angeboten neuartiger Energiequellen geben und viele davon werden wirklich die Umwelt weniger belasten als heutige Kraftwerke. Das ist die eine Seite der Nachricht, die andere wird sein, dass wir auch in Zukunft sparsam und verantwortungsbewusst mit Energiequellen umgehen müssen, auch wenn sie vordergründig wie Sonne, Wind und Wasser unbegrenzt zur Verfügung stehen.

Die gesellschaftliche Realität und Erwartungshaltung ist aber eine andere! Sieht man sich derzeit in den Medien um, dann wird in der Regel darüber berichtet, welche Erfolge bei der Reduzierung des Energieverbrauchs von Maschinen, Fahrzeugen, Gebäuden usw. erzielt werden oder wie viel in Zukunft an Energie durch Optimierung und Erneuerung eingespart werden kann. Dabei muss korrekterweise zwischen Primärenergieeinsatz und -verbrauch einerseits und Sekundärenergieeinsatz und -verbrauch andererseits unterschieden werden.

Der wichtige Ansatz bei der Diskussion um unsere zukünftige Energieversorgung — das persönliche Einsparen — gerät allerdings sehr sträflich in den Hintergrund.

Es hat den Anschein, als würde das Verhalten des Menschen als Endverbraucher wenig interessieren, oder — noch schlimmer — das menschliche Verhalten ist fremdbestimmt. Energieverbrauch respektive Energieverschwendung wird der menschlichen Natur unterstellt. Dabei geschieht dies nicht vorsätzlich, — viel subtiler — der Energieverbrauchswunsch wird unterstellt. Lebensqualität und Lebensstandard werden gleichgesetzt mit hohem Energieverbrauch. Dabei könnte das Bemühen um geringeren Energieverbrauch durchaus eine Chance zur Erhöhung der Lebensqualität bedeuten.

Dazu gehört aber auch die Bereitschaft von uns allen, durch eigene Verhaltensänderungen unsere Wachstumsgesellschaft zu bremsen oder in bessere Bahnen zu lenken.

Bessere Lebensqualität und weniger Energieverbrauch

Ob diese Gemeinsamkeit Zufall ist oder naturgesetzlich kann sicher ausführlich diskutiert werden, Fakt ist, das menschliche Zusammenleben wird verbessert.

Einige Beispiele, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben

Werden Bebauungspläne erstellt, bei denen auf geringen Flächenverbrauch geachtet wird, entsteht die Stadt der kurzen Wege, weil auch die Infrastruktur in der Regel fußläufig erreichbar und nutzbar wird. Im Gegensatz dazu stehen die flächenintensiven Baugebiete mit hauptsächlicher Einfamilienhausbebauung. Dazu gehört aber gleichzeitig die Bereitschaft der Menschen dorthin zu ziehen, wo nicht jeder Weg mit dem Auto zurückgelegt werden muss. Wenn es denn trotzdem nötig sein sollte weitere Entfernungen zurückzulegen, dann gibt es den öffentlichen Verkehr, der auch wiederum dort besser ist, wo die Bebauung dichter ist.

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zur verbreiteten Diskussion um die E-Mobilität:

Diese E-Mobilität wird einfach gleichgesetzt mit Individualverkehr! Dabei verkehren Eisenbahnen, Straßenbahnen und sogar noch einige Buslinien (O-Busse) elektrisch. Und müssen sich teilweise kritisieren lassen, weil die Versorgung auch mit Atomstrom geschieht. Wird allerdings ein Elektroauto auf den Markt gebracht, dann gibt es laute Stimmen, die dieses Gefährt als die Rettung unserer Umwelt preisen! Kritisiert man diese falsche Entwicklung, dann wird noch das schwachsinnige Argument gebracht, das Auto könnte ja mit Solarstrom fahren!

Gerhard Stolz

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/11

Stand des Artikels: 2011! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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