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Atommüll-Verglasungsanlage im Hardtwald

In der nächsten Zeit will das Forschungszentrum Karlsruhe höchstradioaktive Abfallstoffe in einer speziellen Anlage mit Glas verschmelzen. Damit verbunden ist ein Anstieg der Verschmutzung mit radioaktiven Substanzen in unserer Region. Der Arbeitskreis gegen das AKW Philippsburg wird über diese Zusammenhänge in diesem Jahr verstärkt aufklären und fordert das Ende jeglicher weiterer Atomforschung im Hardtwald.

Der zu verarbeitende Atommüll dürfte hinsichtlich seiner Radioaktivität einmalig in Deutschland sein. Er stammt aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, die im Hardtwald 20 Jahre lang in Betrieb war. Dabei fiel ein Konzentrat radioaktiver Reststoffe an, das seither auf dem Gelände des Forschungszentrums lagert. Nach dem Verglasungsprozess soll dieser Müll in CASTOR-Behältern nach Gorleben transportiert werden.

Bei der Verglasung wird es schon im planmäßigen Betrieb zu einer wesentlichen Erhöhung radioaktiver Emissionen kommen. Bei Störfällen in diesem Prozess ist im Extremfall auch eine katastrophale Verseuchung nicht auszuschließen.

Strahlenquellen als Erbe der Wiederaufarbeitungs-Technologie

In der sog. “Versuchs”-Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) innerhalb des Kernforschungszentrums wurde aus zahlreichen verbrauchten Brennelementen bundesdeutscher Atomkraftwerke das Uran und Plutonium herausgezogen. Es sollten dort Voruntersuchungen gemacht werden, welche dann in den Bau der damals geplanten “großen” deutschen WAA Wackersdorf einfließen sollten — Die Karlsruher Anlage hatte immerhin 1/10 des geplanten Durchsatzes der “großen”. Das Vorhaben endete jedoch im Desaster: Die Erfahrungen waren wertlos, da die Anlage in Wackersdorf nie in Betrieb ging.

Geblieben sind uns aber der Müll und die Schadstoffe, die beim “Probe”betrieb freigesetzt wurden: Innerhalb kurzer Zeit wurde die Gegend zwischen Eggenstein und Philippsburg massiv und nachhaltig mit langlebigem Strahlenmüll durch die WAA belastet: Im Rheinniederungskanal (der als fast 20 km langer Abwasserentsorgungsweg benutzt wurde und bei Philippsburg erst in den Altrhein, dann in den Rhein mündet), lässt sich Plutonium nachweisen; und bei manchen Isotopen erreichten die Belastungswerte am Boden im Hardtwald das Zigfache dessen, was an allen deutschen AKWs zusammen gemessen wurde.

Wohin mit den Überresten?

Diese Frage stellte sich ab 1990 nach dem Abschalten der WAK.

Abenteuerliche Pläne

Zunächst wollte man diese “Atomsuppe” in einer Anlage in Mol/Belgien verglasen lassen. Dies hätte bedeutet, dass die Flüssigkeit mehrfach umgepumpt und in CASTOR-Behältern über weite Strecken transportiert würde.

Bevor dieser Plan umgesetzt werden konnte, fuhr der erste CASTOR aus einem AKW nach Gorleben. Da die belgische Regierung angesichts der heftigen Proteste nun noch weniger begeistert von deutschen Atomtransporten war, entschloss sich das KfK zur Verglasung vor Ort.

Das Verfahren

Bei der Verglasung wird der flüssige Atommüll in einem speziellen Schmelzofen bei ca. 1250°C mit Glasteilchen vermischt und verschmolzen. Diese heiße Mischung fließt dann in Edelstahlbehälter (“Kokillen”) und erstarrt dann jeweils zu einem gläsernen Block.

Innerhalb von eineinhalb Jahren sollen so rund um die Uhr 130 Behälter gefüllt werden. Diese werden in CASTOREN verpackt und außerhalb des Gebäudes gelagert, bis sie am Ende alle in einem großen Transport ins “Zwischen”lager Gorleben verbracht werden.

Allerdings entstehen bei diesem Prozess auch heiße Gase, die durch Filter geleitet werden sollen. Problem: Kein Filter wirkt 100prozentig.

Stand der Dinge

Inzwischen wurde das Verglasungs-Anlagengebäude fertig errichtet und das Kernforschungszentrum (KfK) schönfärberisch in “Forschungszentrum” (FZK) umbenannt. Die geplanten Kosten für den Gesamt-Abriss der WAK sind in den letzten 10 Jahren von 1900 Millionen DM auf 1900 Millionen Euro gestiegen, Tendenz weiter steigend.

Das (Kern-)Forschungszentrum hat schon mehrfach den Start der Verglasung verschieben müssen und versucht, dies als Sicherheitsgewinn zu verkaufen. Während die Unzuverlässigkeit des Betreibers in finanzieller und zeitlicher Hinsicht offensichtlich ist, wirft der zwischenzeitliche Diebstahl von Plutonium durch einen WAK-Abrissarbeiter aber auch Fragen bezüglich des nötigen Sicherheits-Managements und -Bewusstseins auf.

Folgen

Ohne dass wir selbst über eine Wunderformel für die Lösung der Probleme verfügen, müssen wir auf Folgendes hinweisen:

Aus Schaden nichts gelernt...

Trotz der Probleme mit dem vorhandenen Atommüll wird auf dem Gelände des Forschungszentrums weiterhin fleißig Forschung mit Nuklearmaterial betrieben. Im europäischen Institut für Transurane wird mit Plutonium hantiert, und mit einem Tritiumlabor wird das Milliarden-Euro-Grab Kernfusionsforschung (vor allen Dingen kostenmäßig) “vorangetrieben”.

Wir fordern daher

Gastbeitrag von Matthias Mauser,
Arbeitskreis gegen das AKW Philippsburg,
c/o Matthias Mauser,
Ludwig-Wilhelm-Str. 19, 76131 Karlsruhe,
anti-atom@t-online.de

UH

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 2/06

Stand des Artikels: 2006! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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