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Die (noch) lange Fahrt in die Europastadt

Die Einstellung zweier EC-Zugpaare in der Relation Karlsruhe — Strasbourg beim vergangenen Fahrplanwechsel veranlasste mich, mir die Verbindungen Karlsruhe — Appenweier — Offenburg — Kehl — Strasbourg einmal etwas genauer anzusehen, soll doch Europa zusammenwachsen und Strasbourg als wichtige EU-Stadt liegt schließlich direkt vor unserer Haustür. Das Ergebnis: Es gibt 5 EC-Zugpaare mit denen man Strasbourg von Karlsruhe in einer Stunde erreichen kann. Aber dann wird es problematisch. Fast alle IRE- und RE-Verbindungen von Karlsruhe über Rastatt, Baden-Baden, Bühl und Achern nach Strasbourg mit Umsteigen in Appenweier haben dort eine Übergangszeit von ca. 50 Minuten, so dass die Reisezeit zwischen den zwei Großstädten, die etwa 75 km auseinander liegen, immerhin zwei Stunden dauert.

Zu begründen ist das mit anderen Anschlüssen nicht, da die Übergangszeiten von der Renchtalbahn (Bad Griesbach) auch im Schnitt 50 Minuten und die von der Kinzigtalbahn (Konstanz) ca. 40 Minuten betragen. Nur die Anschlüsse aus dem Süden sind besser, hier schwanken sie zwischen 5 und 20 Minuten.

Das bewog mich, einen Brief an die NVBW zu schreiben, der auch umgehend von Herrn Heiko Focken, Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, Verkehrsplanung, beantwortet wurde. Die relevanten Ausschnitte des Briefes möchte ich nachfolgend zitieren:

Auf der Strecke Offenburg - Straßburg stellt sich jedoch die Problematik, dass wir in unserer Angebotsgestaltung nicht frei agieren und den von uns angestrebten Integralen Taktfahrplan (ITF) nicht nach allen Kriterien einführen können. Grund ist neben den Restriktionen, die bei der Fahrplangestaltung auf dem dicht belegten Abschnitt Offenburg - Appenweier bestehen, die Angebotsphilosophie der Französischen Staatsbahn SNCF, welche nicht nach den Grundsätzen des Taktfahrplans aufgebaut ist. Die Züge fahren in Frankreich rein "bedarfsorientiert", also ohne einen Takt. Ohne eine Bewertung der unterschiedlichen Ansätze vornehmen zu wollen, hat dies zur Folge, dass der Fahrplan der Züge Offenburg - Straßburg mit den französischen Interessen im Raum Straßburg und der Situation im Straßburger Bahnhof in Einklang zu bringen ist. Ansonsten würde die SNCF unsere Züge nicht annehmen, diese müssten dann in Kehl enden. Weiterhin sind bei den grenzüberschreitenden Zügen auch fahrplanmäßige Bausperrpausen der SNCF-Strecke sowie die Zuführung innerfranzösischer Züge auf dem Abschnitt Neudorf Betriebsbahnhof (kurz hinter der Rheinbrücke Kehl) - Straßburg Gare zu berücksichtigen, welche ebenfalls die Strecke belegen.

Wir haben daher in den vergangenen Jahren versucht, mit den nur auf deutschem Gebiet verkehrenden Zügen Offenburg - Kehl eine weitgehende Vertaktung mit entsprechend kurzen Anschlüssen zu realisieren. Daraus entstand etwa in den Nachmittagsstunden der angenäherte 30-min-Takt auf dieser Verbindung. Für Fahrgäste von und nach Straßburg wurden diese Vorteile natürlich nicht unmittelbar wirksam - oder nur bei Umstieg in den Straßburger Stadtbus, der etwa alle 20 min vom Kehler Bahnhofsvorplatz ins Zentrum Straßburgs verkehrt.

Für das kommende Fahrplanjahr können wir Ihnen jedoch in Aussicht stellen, dass sich die Verbindungen Offenburg - Straßburg signifikant verbessern werden. Gemeinsam mit unserem Partner auf der französischen Seite, der Région Alsace, wird ab Dezember 2006 ein völlig neuer Fahrplan in Kraft treten. Statt bisher 14 werden dann 24 Züge zwischen Offenburg und Straßburg verkehren. Dies bedeutet, dass nahezu alle bislang in Kehl endenden Züge bis Straßburg weiter verlängert werden. Zudem wird eine weitgehende Vertaktung der Züge erfolgen. Zwar wird es dabei zu verschiedenen Tageszeiten zu kleineren Kompromissen kommen, denn während die französischen Partner vorrangig den ICE-Knoten Offenburg zur Minute 30 und gleichzeitig den neuen TGV zur Minute 15 bzw. 45 in Straßburg erreichen möchten, liegt unser Interesse primär in der Verknüpfung dieser Züge mit dem Nahverkehrsknoten in Offenburg bzw. Appenweier zur vollen Stunde. Dennoch dürfen wir Ihnen versichern, dass die Angebotsqualität auf dieser internationalen Strecke eine nachhaltige Verbesserung erfahren wird.

Abschließend wies Herr Focken noch auf die Buslinie 1062 von der Deutschen Touring hin, die zweimal am Tage von Strasbourg über Appenweier, Freudenstadt nach Tübingen und Reutlingen verkehrt. In diesem Bus werden nahezu alle Schienenfahrausweise anerkannt, einschließlich Baden-Württemberg-Ticket und SWT.

Auf den neuen Fahrplan im Dezember für diese Relation dürfen wir gespannt sein.

Johannes Hertel

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 2/06

Stand des Artikels: 2006! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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