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Wie dieser Schwertfisch enden auch Schildkröten, Haie, Delfine und Albatrosse oft als Beifang der Langleinen-Trawler, die nach Thunfisch fischen; Foto: Steve Morgan/Greenpeace©

20 000 Meilen ...

unter dem Meer heißt der fabelhafte Buchklassiker, mit dem Jules Verne seine Leser verzaubert. Der Romanheld Kapitän Nemo verspricht darin seinen Gästen eine Reise “in eine Welt voller Wunder”. Schon damals, im Jahre 1870, faszinierte die Welt unter Wasser die Menschen. Doch blieb sie ihnen weitgehend verborgen und rätselhaft. Erst in den vergangenen Jahrzehnten gelang es der Wissenschaft, den Geheimnissen des Ozeans mit moderner Technik auf die Spur zu kommen. Und trotzdem wissen wir noch heute, im Jahre 2007, vom Grund der Weltmeere weniger als vom Mond.

Doch während wir das Universum unter dem Meeresspiegel allmählich kennenlernen, müssen wir mit ansehen, wie es sich rasant verändert. Allein seit 1970 hat sich die weltweite Kapazität der Fischereiflotte verdoppelt. Von weltweit etwa 3,5 Millionen Fischereischiffen sind nur etwa 1 % industrielle Schiffe. Diese fangen jedoch 50-60 % der Bestände ab. Ständige Modernisierung der Methoden führt zur ständigen Erhöhung der Fangkapazitäten. Fischschwärme werden heute mit Helikoptern und Satelliten geortet und gezielt gefangen. Ein Netzauswurf bringt bis zu 500 Tonnen Fisch. Doch dem wachsenden Hunger der Weltbevölkerung nach “Seafood” können die Weltmeere nicht nachkommen. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation sind mittlerweile 75 % der kommerziell genutzten Fischbestände erschöpft, überfischt oder an der Grenze der ökologischen Belastbarkeit (47 % maximal genutzt, 18 % überfischt und 10 % zusammengebrochen).

Doggerbank, Nordsee — Im Schnitt ein Drittel der Fangmengen gehen als ungewollter Beifang wieder über Bord; Foto: Philip Reynaers/Greenpeace©

Ein Beispiel: Kabeljau in der Nordsee

Der Nordsee-Kabeljau ist ein klassisches Beispiel für das Versagen der Politik und den geplünderten Fischreichtum von Nord- und Ostsee. Derzeit ist die Zahl geschlechtsreifer Kabeljaue etwa 7-mal niedriger als noch vor 30 Jahren. Hauptursache: Die Fische werden zu jung gefangen, bevor sie nur ein einziges Mal ablaichen konnten. Auch hier stoßen die regelmäßigen Warnungen des Internationalen Meeresrates auf taube Ohren. Die Wissenschaftler präsentieren ihre Empfehlungen der EU-Kommission. Diese legen sie, oft in abgeschwächter Form, den Fischereiministern vor. Diese treffen dann die Entscheidung über die jährlichen Fangquoten. So empfahlen Wissenschaftler und EU-Kommission 2003 ein Fangverbot für Kabeljau. Die Reaktion der Fischereiminister: Anstatt den Niedergang der Bestände umgehend zu stoppen, beschloss man eine niedrigere Fangquote von 27.000 Tonnen für die Nordsee. Berücksichtigt man aber die Beifangquote für Kabeljau so werden jedes Jahr jedoch weiterhin ca. 70.000 Tonnen gefangen. Darunter größtenteils Jungfische.

Und das Problem ist kein neues: In Kanada ist der Kabeljaubestand Anfang der 90er Jahre zusammengebrochen. Rund 30.000 Fischer waren binnen weniger Jahre arbeitslos. Trotz einem inzwischen ausgerufenen Fangverbot hat sich der Bestand bis heute nicht erholt.

Greenpeace Aktivisten verfolgen im Schlauchboot den Trawler “Punta Robaleira Aldan”, um Beifang abzufangen, und zu dokumentieren; Foto: Isadora Tast/Greenpeace©

Fangmethoden — Möglichst viel, möglichst schnell

Destruktive Fangmethoden bedrohen ganze Lebensräume. Beim Fang von Bodenfischen wie Kabeljau, Hoki und verschiedenen Tiefseearten werden gewaltige Schleppnetze über den Meeresboden geschleift, selbst in Tiefen von bis zu 1000 Metern. Auch Kaltwasserkorallenriffe und artenreiche Seeberge werden so plattgewalzt. Als Beifang landen im Jahr bis zu 27 Millionen Tonnen in den Netzen, und gehen meist tot wieder über Bord. Ungewollte oder unerlaubte Arten, zu kleine Fische, aber auch Seevögel, Schildkröten, Delfine und Kleinwale verenden in den Netzen oder verfangen sich an den Haken der kilometerlangen Fangleinen. In der südlichen und zentralen Nordsee beispielsweise sterben jedes Jahr rund 7500 Schweinswale in den Stellnetzen für Kabeljau.

Lachs-Farm in einem norwegischen Fjord; Foto: Christian Kaiser/Greenpeace©

Zucht — eine Lösung?

Aquakulturen versprechen ein reiches Fischangebot, trotz Ausbeutung der Meere. Das Washingtoner “World Watch Institute” prophezeit sogar, die Menschheit werde bereits in zehn Jahren mehr “Farm-Fisch” verzehren als Rindfleisch. Doch leider hat auch diese “Massentierhaltung zu Wasser”, ähnlich wie die Intensivlandwirtschaft, massive Umweltschäden zur Folge: Küsten werden verbaut, Chemikalien und Futterreste verschmutzen die Gewässer, Parasiten und Krankheitserreger aus den engen Käfigen gefährden Wildbestände. Probleme bereiten auch sogenannte Öko-Aquakulturen, wenn auch in kleinerem Maße. Hier gestaltet sich vor Allem die Suche nach geeigneten Futtermitteln als problematisch. Trotzdem: Wer “Bio”-zertifizierte Ware kauft, unterstützt Betriebe, die immerhin so umweltverträglich arbeiten wie derzeit möglich. Der ökologischste Fisch stammt allerdings nach wie vor aus nachhaltig bewirtschafteten Wildbeständen.

Schutzgebiete

Meeresschutzgebiete könnten viele Probleme lösen helfen. Greenpeace fordert, dass 40 % der Meere dauerhaft geschützt werden. Von einem globalen Netzwerk mariner Schutzgebiete würde nicht nur die Umwelt profitieren, sondern auch die Fischer: In Reservaten wachsen Jungtiere heran, die auch die angrenzenden Fanggründe bereichern. Selbst wandernde Arten sind im Vorteil, wenn ihre Laichgründe und Kinderstuben vor Fischernetzen sicher sind.

Das Schutzgebiet Doggerbank ist eins von 17 Schutzgebieten, die zum Beispiel die Organisation Greenpeace für Nord- und Ostsee fordert; Foto: Philip Reynaers/Greenpeace©

Welcher Fisch darf auf den Tisch?

Wer auf Fisch nicht verzichten möchte, kann durch überlegtes Einkaufen größeren Schaden vermeiden. Denn auch wenn derzeit kein Fischprodukt ökologisch unbedenklich ist (vom genügsamen Karpfen einmal abgesehen), gibt es Unterschiede. Als akzeptabel gelten zum Beispiel Hering, eben Karpfen oder Seelachs (nicht zu verwechseln mit dem Alaska-Seelachs. Hier gelten ausschließlich US Fanggebiete als gut gemanagt).

Wer mehr wissen möchte, dem sei, neben vielen anderen Greenpeace-Publikationen zum Thema, der Einkaufsführer “Fish & Facts” empfohlen, der kostenlos über die Greenpeace-Gruppe Karlsruhe erhältlich ist oder unter einkaufsnetz.org

Gastbeitrag von Florian Gand,
Greenpeace-Gruppe Karlsruhe

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Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 3/07

Stand des Artikels: 2007! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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