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  Pro Bahn   

Falsche Fahrplanauskunft — alle Jahre wieder?

Vorbemerkung 1: einen nicht-konstruktiven Artikel wie diesen zu schreiben ist nicht sonderlich schön - aber die Situation ist in diesem Fall so.

Vorbemerkung 2: wer in den Fahrplanunterlagen ähnliche Widersprüche wie nachfolgend beschrieben findet, möge diese bitte an die Redaktion bzw. an den Autor senden (und falls es tatsächlich zum Verpassen eines Zuges geführt hat, das Pünktlichkeitsgarantieformular des KVV bzw. das Fahrgastrechteformular der DB ausfüllen: auch wenn es keine Verspätung im Wortsinn ist, so ist dennoch das Nichteinhalten des veröffentlichten Fahrplans die Ursache für eine verspätete Ankunft am Fahrziel).

Vorbemerkung 3: die Daten für die elektronische Fahrplanauskunft werden manchmal zwischendurch aktualisiert, auch wenn kein Fahrplanwechsel ist.

In diesem Sinn würde man sich fast schon darüber freuen, wenn der Artikel bis zum Tag des Erscheinens in Detailangaben veraltet ist.

Mit der heutigen Technik der computergestützten Datenverarbeitung sind die richtigen Fahrplandaten immer und überall kurzfristig verfügbar. So wird es jedenfalls aus manchen höheren Etagen immer wieder verlautbart.

Aber wie sieht es in der Realität aus?

Nehmen wir (als dasjenige Beispiel, das nach dem Fahrplanwechsel letzten Dezember zufälligerweise als erstes entdeckt wurde) den Zug der S32 von Karlsruhe nach Menzingen kurz vor 19 Uhr, und zwar am Wochenende. Beim Blättern im KVV-Kursbuch finden wir dafür in der Strecke S31/S32 die Abfahrtszeit 18.50 Uhr. Vorsichtshalber werfen wir noch einen Blick ein paar Seiten weiter vorne in die Strecke S3 und finden ebenfalls 18.50.

Wenn wir jedoch (zum Beispiel unterwegs) nicht auf das KVV-Kursbuch zurückgreifen, sondern auf diese praktischen Faltfahrpläne (die es für jede einzelne Strecke gibt), dann steht da auf einmal eine andere Zeit, nämlich 18.40 — und das sowohl bei S32-Fahrplan nach Menzingen als auch beim S3-Gesamtverkehr nach Bruchsal. Nanu? Schauen wir doch nochmal ins KVV-Kursbuch: da sind hinten auch die Abfahrtspläne abgedruckt, wie sie in den Bahnhöfen aushängen. Und wir finden bei Karlsruhe Hbf wieder 18.40, dann in Karlsruhe-Durlach 18.54 (entspräche also Hauptbahnhof 18.50: der steht im Hauptbahnhofsplan mit dem Zusatz werktags außer samstags, in Durlach hingegen täglich!) — und in Bruchsal fehlt dieser Zug komplett (d.h. er steht nur werktags außer samstags drin).

Eine Stunde später sieht es ähnlich aus, wobei der Streit zwischen 19.40 und 19.50 an einigen Stellen auch noch von dem Zusatz begleitet wird, er fahre sonntags nur von Mai bis Oktober (und im Winterhalbjahr überhaupt nicht). Im 3-Löwen-Kursbuch Baden-Württemberg findet sich diese Strecke ebenfalls zweimal, nämlich in den Tabellen 701 und 710.3. Während sich diese beiden Tabellen für 18.50 noch einig sind, bringen sie bei 19.40 vs. 19.50 noch einige weitere Varianten ins Spiel, damit es nicht zu langweilig wird. Quasi konsequenterweise fehlt dieser Zug auf dem Abfahrtsplan Karlsruhe Hauptbahnhof komplett. In Durlach und Bruchsal ist er wieder drin, und zwar in der 19.50-Fahrlage — und das mit der gleichen Zugnummer 85203, wie man ihn auch auf der anderen Seite von Karlsruhe findet (nämlich in den Abfahrtsplänen von Freudenstadt und Rastatt). Der geneigte Beobachter mag sich fragen: habe ich da jetzt etwas verpasst, dass Karlsruhe Hbf schon heute einen unterirdischen oder sonst wie geheimen Bahnhof hat, wo dieser Zug (durch-)fährt?

Wer die elektronische Fahrplanauskunft befragt — sei es am Schalter oder im Internet, sei es bei der DB oder beim KVV — der bekommt inzwischen übereinstimmend 18.50 und 19.50 gesagt (jedenfalls für Verkehrstage nicht später als im Mai). Das war aber nicht immer so: kurz nach dem Fahrplanwechsel ging es da ähnlich uneinig zu wie in den gedruckten Fahrplänen. Und während man im Bahnhof Bruchsal beim ursprünglich wochenends fehlenden Zug um 19.12 nach Menzingen (das ist unser vorhin mit 18.50 ab Karlsruhe genannter Kamerad) schon wenige Tage oder gar Stunden nach dem Fahrplanwechsel korrigierende Überklebungen auf den Abfahrtsplänen vorfand, hängt in Karlsruhe auch noch Monate später der unveränderte Abfahrtsplan, wie er aus der Druckerei kam und den Zug um 18.50 zehn Minuten zu früh (und den um 19.50 überhaupt nicht) aufführt, mit Ausnahme eines Exemplares in Sonderformat im Reisezentrum .

Wenn man daraufhin die verschiedenen Schalterpersonen im oder vor dem Bahnhof befragt und dabei anklingen lässt, dass da wohl verschiedene Fahrplanversionen im Umlauf sind, dann bekommt man zur eigentlichen Auskunft auch noch bissige bis resignierte Kommentare von „das ist alles bloß Quatsch, was da hängt“ bis „die kriegen's mal wieder nicht auf die Reihe“ ...

Nun mag man im konkreten Fall einwenden, was denn so schlimm sei, wenn der Zug ein paar Minuten später fahre, denn man bekommt ihn doch, egal, ob man sich an die Version mit der Minute 40 oder die mit der Minute 50 hält. Dann sei zum einen ein Blick auf die Gegenrichtung empfohlen: da steht in allen genannten KVV-Fahrplantabellen Menzingen ab 18.30 (es geht wieder bzw. immer noch ums Wochenende). Wer aber tatsächlich zu dieser Zeit kommt, muss feststellen, dass der Zug schon seit zehn Minuten weg ist (im 3-Löwen-Kursbuch steht er mit 18.20, wie auch die anderen Züge am Wochenende Menzingen zur Minute 20 verlassen). Besonders „hübsch“ ist dieser Zug in Bruchsal, wo man je nach konsultierter Fahrplanstelle sogar drei verschiedene Zeiten findet, nämlich 18.56, 18.48 oder 18.47 Uhr. Und zum anderen findet man mit diesen falschen Daten die eigentlich bestehenden Durchbindungen nicht (wo statt dessen nur deutlich frühere oder spätere oder zeitraubendere Verbindungen herauskommen). Es muss ja nicht gleich der gesamte Durchlauf von Freudenstadt bis Menzingen sein — auch schon von Rastatt nach Durlach fährt man damit sehr viel schneller und bequemer als mit dem andernfalls fälligen Umsteigen mit einer halben Stunde Wartezeit in Karlsruhe.

Bedauerlicherweise ist das nicht die erste Panne dieser Art: als im November 2011 im Murgtal zwei Wochen Schienenersatzverkehr herrschte, bekam man die elektronische Fahrplanauskunft immerhin noch so weit dressiert, dass sie nicht mehr die normalen Fahrzeiten ausgab. Zur ersatzweisen Ausgabe der baustellenbedingt abweichenden Fahrzeiten hat es jedoch nicht gereicht: sondern da sollte man in Freudenstadt einen Bus nach Wildbad nehmen und über Pforzheim eine Stunde später in Karlsruhe ankommen (wo aber tatsächlich genügt hätte, in Freudenstadt ca. 7 Minuten früher am Bahnhof zu sein, um Karlsruhe zur gewohnten Zeit zu erreichen). Und 2010 zog es sich (in wechselnden Varianten) buchstäblich durch das gesamte Jahr, ob denn die S32 südwärts in Bruchsal zur Minute 48 oder 46 (oder manchmal auch 47) abfährt — wobei besonders pikant war, dass man (meistens) die Minute 48 erreichte, wenn man zur Minute 44 aus Richtung Heidelberg ankam, die Minute 46/47 jedoch nicht (und damit auch nicht in Durlach den IRE nach Stuttgart).

Alle hiervon betroffenen Züge sind AVG-Züge (also nicht DB-Züge). Das sagt freilich nichts darüber aus, ob die AVG bei diesem Durcheinander eher der Täter ist (indem sie nicht rechtzeitig die richtigen Daten an die elektronischen Auskunftssysteme liefert) oder eher das Opfer (indem die gelieferten Daten nicht ordnungsgemäß übernommen werden). Und es war auch fallweise zu beobachten, dass die an das DB-System gelieferten Korrekturdaten die vormaligen Daten nicht etwa ersetzten, sondern parallel dazu liefen (so dass man zwei Züge im Minutenabstand angezeigt bekam, wo in der Praxis nur einer fährt). Bei all dem fragt man sich (sofern man sich nicht längst verärgert abgewendet hat und daheim bleibt oder Auto fährt), ob es bei dieser Datenverwaltung denn überhaupt keine Qualitätskontrolle gibt???

(Zum Abschluss empfiehlt der Autor, nochmal die Vorbemerkungen zu diesem Artikel zu lesen!)

Martin Theodor Ludwig

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 1/12

Stand des Artikels: 2012! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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