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Der Weißstorch — Symbol für erfolgreichen Naturschutz; Foto: Mari Däschner

Bedrohte Vielfalt

Das Jahr 2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt des Lebens auf der Erde, also die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Wir Menschen hängen ganz existenziell von einer funktionierenden Natur ab, denn die Vielfalt des Lebens beschert uns nicht nur direkt Nahrungsmittel und deren Grundlage, nämlich den fruchtbaren Boden auf dem Landwirtschaft betrieben wird, sondern sorgt auch für ein stabiles Klima, reine Luft, sauberes Wasser und zahlreiche Rohstoffe, die wir zum Leben brauchen. Davon abgesehen besitzen wir aber auch eine ethische Verantwortung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Diese Vielfalt ist jedoch massiv bedroht: In Deutschland gelten 72 % der natürlichen Lebensräume als gefährdet oder sogar akut bedroht. Besonders betroffen sind Moore, naturnahe Gewässer und Auen sowie Grünlandbiotope. Von den in Deutschland einheimischen Tierarten sind 36 % gefährdet, bei den Pflanzenarten sind es 27 %. Jedes Jahr werden die Roten Listen länger. Und der Verlust an Biodiversität ist irreversibel.

Das Problem ist schon seit den 1970er Jahren bekannt. Dennoch konnte der weltweite Artenschwund nicht gestoppt werden. Die Vereinten Nationen haben 1992 in Rio de Janeiro ein Übereinkommen über die Biodiversität geschaffen, das in Deutschland beispielsweise mit der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ auf nationaler Ebene umgesetzt werden soll. In einer weiteren Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Biodiversität wurde schließlich das ehrgeizige Ziel vereinbart, bis 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt zu verlangsamen oder zu stoppen. Im Herbst dieses Jahres soll nun also Bilanz gezogen werden. Doch es ist klar: Dieses Ziel ist weit verfehlt worden. Der globale Raubbau an der Natur geht weiter.

Die wichtigsten Gründe für den Artenschwund sind die direkte Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen, der Natur schadende Formen von Land- und Forstwirtschaft, Beeinträchtigungen durch wasserwirtschaftliche Maßnahmen, Fischerei sowie durch Freizeitnutzungen. Auch Klimawandel und die Ausbreitung nicht einheimischer invasiver Arten gefährden die Artenvielfalt.

Es gibt bereits genügend Vorschläge, mit welchen Maßnahmen wir die biologische Vielfalt erhalten könnten, jetzt gilt es, die bestehenden Pläne in die Tat umzusetzen. Ein übergeordnetes Gesetz zum Schutz der biologischen Vielfalt muss geschaffen werden, das eine nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen regelt. Doch bis ein solches Gesetz erarbeitet ist, müssen wir die bestehenden Lebensräume vor einer Zerstörung oder Beeinträchtigung zum Beispiel durch wachsende Siedlungs- oder Gewerbegebiete und Verkehrsflächen schützen.

Die Alb, FFH-Gebiet inmitten der Stadt; Foto: Mari Däschner

In Karlsruhe haben wir beispielsweise mit den Rheinauen, der Alb oder dem Alten Flugplatz einige Flächen, die ein großes Potenzial zum Erhalt der biologischen Vielfalt besitzen. Viele dieser Gebiete wurden schon als FFH- oder Naturschutzgebiete gesichert und werden durch verschiedene Maßnahmen in ihrer Entwicklung gefördert. Doch auch Flächen, die aufgrund ihrer geringeren Größe oder einer verbauten Umgebung zunächst als weniger wertvoll erscheinen mögen, können als Trittsteine in einem Biotopverbund und als Rückzugsinseln für Tiere und Pflanzen einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt von Arten leisten. Dafür müssen sie allerdings als Teil eines Gesamtkonzeptes in den Planungen berücksichtigt und mit benachbarten Naturräumen vernetzt werden.

Als besonderes Problem erweist sich der anhaltende Flächenverbrauch. Leider wird im Nutzungskonflikt noch viel zu oft einer Bebauung Vorrang eingeräumt, anstatt Böden unversiegelt zu lassen und für die Natur zu erhalten. Mit dem Totschlagargument Arbeitsplätze wird etwa das Edeka-Fleischwerk in Rheinstetten gebaut. An anderen Stellen fressen sich Siedlungsgebiete in die Landschaft hinein, während Ortszentren veröden. Solange wir es nicht schaffen, sparsamer mit der begrenzten Ressource Fläche umzugehen, wird auch der Artenschwund anhalten.

Und auch in allen anderen Bereichen müssen die Menschen dringend zu einer nachhaltigeren Lebensweise finden. Sonst werden es die künftigen Generationen sehr schwer haben.

Der Spruch ist abgedroschen, aber wahr: Wir brauchen die Natur, die Natur aber braucht uns nicht.

Mari Däschner

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 2/10

Stand des Artikels: 2010! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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