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Räumliches Leitbild für Karlsruhe in Arbeit

Karlsruhe ist, im Gegensatz zu vielen über Jahrhunderte organisch gewachsenen Städten eine am Reißbrett entstandene Stadt, deren 300. Geburtstag bevorsteht, weswegen man sich hier die berechtigte Frage stellte:

Wie plant man eine Planstadt weiter?

... auch angesichts des knapper werdenden Platzes und des neu aufzustellenden Flächennutzungsplans und neuer Anforderungen wie Klima- und demographischer Wandel. Deswegen suchte man Orientierung durch drei professionelle, größtenteils externe Teams und Bürger. Da dabei sicher auch Verkehrs- und Umweltfragen eine Rolle spielen würden, schaute ich mir den Prozess selbst an.

Ein ganzes Bündel von Unterlagen älterer Planungen standen den Büros zum Weiterentwickeln zur Verfügung. Hinzu kam noch die vorgeschalteten „10 Fragen an Karlsruhe“, eine Voruntersuchung 2012, die im Sommer 2013 im Prinz-Max-Palais ausgestellt wurde, wo auch Ideen und Anregungen von Bürgern gesammelt wurden. Zusammen mit einem daraus abgeleiteten ausführlichen Fragenkatalog bildete alles den Rahmen für die drei Teams. Während der Entwicklung des Leitbildes konnten Bürger die Präsentationen verfolgen und per Mail oder Facebook Ideen einspeisen, was ich zweimal machte. Anders als bei einem Architekturwettbewerb o. ä. gab es keinen „Sieger“, sondern alle drei Ausarbeitungen, die nächstes Jahr zum Stadtgeburtstag ausgestellt werden sollen, werden in den folgenden Jahren gleichwertig zu einem Leitbild weiterverarbeitet.

Die Vorschläge der drei Teams

Ein Team aus einem Berliner und zwei Karlsruher Raumplanerbüros leitete seine Empfehlungen ab aus dem Gegensatz: „Karlsruhe aus der Zukunft denken / Veränderungen zulassen“ contra „Karlsruhe aus dem Vorhandenen schöpfen / Vorhandenes bewahren“. Es definierte den Grünring, bestehend aus dem „Landschaftsband Nord“ (auf Nordtangententrasse mit Fahrradschnellweg bis zum Rhein und „Park-Wald“ im Hardtwald südlich davon), der Alb und einer Verbindung zwischen beiden im Osten ungefähr entlang der Güterbahn. Alle Verbindungen dorthin hätten verschattete Fuß-/Radwege. Die heute schon bunt gemischten Wohn- und Gewerbeflächen rund um den Westbahnhof will man zu einer „Mixed Zone“ entwickeln. Für den Schienenverkehr schlug man zum einen eine S-Bahn von Hagsfeld samt neuen Halten an der Kreuzung mit der Linie 1 und in Höhe Durlacher Allee über den Hbf durch die „Mixed Zone“ bis mindestens Siemens oder weiter vor mit mehr und besseren Schnittstellen (das ist nahe an der alten Verbändeforderung nach Nahverkehr dort), zum anderen eine neue Straßenbahnstrecke über Adenauerring und Hagsfelder Allee, um Technologiepark und die Uni samt Erweiterungsgelände zu verbinden. Man sprach von der „5-min-Stadt“ als Schlagwort für eine Stadt der kurzen Wege, wo alles wichtige in 5/10/15 min erreichbar ist mit Fuß/Rad/Bahn. Flächen sollten ressourcenschonend verwendet werden, d. h. keine nur eingeschossigen Gewerbebauten und großflächige Parkplätze mehr. Ähnlich könnte man in Wohngebieten peu a peu kleinere durch größere Häuser ersetzen. Als „Jokerfläche“ wurde die Raffinerie bezeichnet, falls sie nach dem absehbaren Ende des Ölzeitalters frei würde.

Ein Team aus einem Hannoveraner Verkehrsplaner- und zwei Berliner Raumplanungs-/ Freiraumplanerbüros suchte eine ganzheitliche Wahrnehmung von Stadt, Landschaft und Verkehr und ein qualitatives Wachstum mit Transformation statt Flächenfraß. Man fand die größten Potentiale an den Schnittstellen von innerer und äußerer Stadt. Man wollte ebenso die Nordtangententrasse zu einem grünen Band machen mit Radschnellweg und Straßenbahn (!) durch einen lichteren „Waldpark“ mit weniger Barrierewirkung, wobei man mit Ergänzung der Siedlungen an das Grünband ranrückt zur „Adressbildung“, d. h. definierte und beliebte Siedlungsränder zum Grün. Für das fragmentierte Gebiet südlich der Südtangente schlug man vor, die Gewerbeflächen zu urbanen Kernzonen zu entwickeln und vor allem die Südtangente einzuhausen, um die Grünanlagen darüber hinweg zu entwickeln als Verbindung statt der trennenden Straße, auch als Adressbildung statt nur Hinterhöfe zur Tangente. Das „Albtal“ („Karlsruhe liegt an der Alb“) wird mit dem Pfinztal grün verbunden. Die Kernstadt wird mit transformierten Straßenräumen mit mehr Bäumen, Gründächern und Wasserflächen aufgewertet gegen Aufheizung. Vorgeschlagen wurde die Konversion des weitgehend ungenutzten ehemaligen Rangierbahnhofs samt Umfeld (incl. Fußverbindungen zum Oberwald), der in nicht allzu ferner Zukunft aufgegeben werden könnte. Große autobahnkreuzähnliche Knoten (bspw. das „Schwarzwaldkreuz“ Südtangente / Ettlinger Allee) werden mit „Holländerrampen“ (wie es sie am Kühlen Krug schon gibt) verschlankt.

Ein drittes Team aus Rotterdamer Stadtplanern und Grazer Verkehrsplanern und brachte den Begriff „Enkeltauglichkeit“ als anschauliche Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit ins Spiel. Es erkannte im „Verkehrsspaghetti Süd“ aus Südtangente mit A5 und Bahnanlagen ein Problem. Im ersten Anlauf zu revolutionär bis deutlich in den Oberwald hinein waren die Ideen zur Konversion des Rangierbahnhofs zu einem neuen Stadtteil mit überdeckelter Südtangente und Güterbahn, im zweiten Anlauf moderater nur hinterm Hauptbahnhof. Auch hier wieder angesichts der Entwicklung der Pedelecs das Thema Radschnellwege mit Fahrzeitgarantie sehr präsent, darunter einer an der Rheinhafeneinfahrt über den Rhein und eine weitere in Position der geplanten zweiten Autorheinbrücke. Für die Kernstadt wollte man Straßenräume mit mehr Bäumen als klimatische Aufwertung statt Parkierung im Straßenraum! Auch dieses Team will die Siedlungsränder als auch öffentliche „Adressen“ besser definieren, ein positives Beispiel sei Weiherfeld-Dammerstock an der Alb.

Mein Resümee

Frei nach Bürgermeister Obert lag vieles auf der Hand, man muss nur mal drauf gestoßen werden. Großparkplätze und einstöckige Hallen sind Platzverschwendung, die im flächenarmen Karlsruhe nichts mehr zu suchen haben; da gibt’s bessere Lösungen. Die in der Presse vorgestellten Skizzen zur Ansiedlung von IKEA scheinen schon einen solchen Weg zu gehen; die neue dm-Zentrale mit in die Landschaft integriertem Parkhaus ebenso. Verkehrsbelästigungen durch große Straßen durch Einhausungen zu lösen, wurde auch schon mehrfach erfolgreich umgesetzt, sogar in Karlsruhe (!), denn der Südtangenten-„Tunnel“ zwischen Beiertheim und Bulach ist im Prinzip nichts anderes als eine Einhausung! Ich schlug in diesem Prozess vor, dies zur Baulandgewinnung häufiger zu machen auch an anderen Stellen, wo Verkehrstrassen tiefer liegen (Hardtbahn Nordweststadt) oder wo bei beidseitigem Lärmschutz „nur noch der Deckel fehlt“. Auch Radschnellwege waren ein angesprochenes Thema, wo sich Karlsruhe momentan noch etwas ziert. Ein Büro schlug weitere Rheinquerungen für Radler vor, u. a. in Höhe Rheinhafenzufahrt, was zu meinem zweiten Vorschlag passt, das Konzept der Rheinhafenbrücke zur Rhein+Hafen-Brücke zu erweitern. Auch dass die Trasse der Nordtangente, die zur Zeit zumeist planerisches „Niemandsland“ ist, entwickelt gehört, liegt auf der Hand. Die Anforderungen bzgl. Flächenmanagement, Klimaanpassung und stadtverträglichem Verkehr sind bei den Planern weitgehend angekommen und wurden von ihnen für das Leitbild vorgeschlagen, jetzt muss alles nur noch bei Politik und Investoren ankommen, da ist noch viel zu tun, wie das Statement des CDU-Vertreters im Begleitgremium zur Zurückdrängung des Autos und Nordtangente zeigte, wie auch aktuelle Diskussionen zu Nachverdichtungen im Kaisergarten und auf dem Stephanplatz. Auch eine Umnutzung des ungenügend genutzten Rangierbahnhofs wäre reizvoll, auch wenn es einem „Eisenbahner“ ein wenig weh tut, aber nur zum Abstellen alter Waggons ist die Fläche zu schade. Ich würde auch noch die verbliebenen Bundeswehrstandorte ins Spiel bringen, die in strukturarmen Gebieten besser angesiedelt wären. Für Wirbel sorgten Vorstellungen eines „lichteren“ Hardtwaldes in Stadtnähe, dabei gehören Lichtungen zum Wald dazu, bloß sind die jetzt bereits existierenden Lichtungen meist nur Jägern bekannt, weil am Ende von Wegen nur zum Äsen für das Wild angelegt.

Weitere Infos incl. aller Präsentationen unter karlsruhe.de/raeumlichesleitbild2015

Heiko Jacobs

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 2/14

Stand des Artikels: 2014! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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