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TFS Straßenbahnwagen in der Endhaltestelle Nantes-Neustrie
Fotos: J. Hertel

Der Straßenbahnbetrieb in Nantes — ein Besuch

Unsere diesjährige Urlaubsreise führte durch Nantes, und da ließ ich es mir nicht nehmen, mir den dortigen Straßenbahnbetrieb, der immerhin der erste der neuen französischen Straßenbahnbetriebe ist, einmal etwas genauer anzusehen.

Zur Geschichte: Nantes ist die Hauptstadt des Departements Loire-Atlantique, hat 250.000 Einwohner und gilt als die sechstgrößte Stadt Frankreichs. Sie gilt aber auch als die Stadt des öffentlichen Personennahverkehrs, soll doch in ihr der erste städtische Pferdeomnibus der Welt 1826 seinen Linienbetrieb aufgenommen haben. 1880 folgte dann die erste Straßenbahnlinie in der Stadt. Dabei handelte es sich um Straßenbahnfahrzeuge mit Druckluftantrieb nach dem System Mekarski. Fahrzeuge dieser Art gab es auch in anderen Städten, aber in Nantes erreichte diese Antriebsart ihre größte Verbreitung mit einem Netz von immerhin 40 km Länge, auf welchem zuletzt 12 Mio. Fahrgäste/Jahr befördert wurden. Erst sehr spät, 1913, verkehrte die erste elektrische Straßenbahnlinie und das Netz erreichte vor dem zweiten Weltkrieg eine Ausdehnung von 20 Linien. Während des zweiten Weltkriegs wurde Nantes als Stadt mit dem zweitgrößten Atlantikhafen Frankreichs stark zerstört, und nach und nach wurden nach Kriegsende die noch vorhandenen Straßenbahnstrecken stillgelegt, die letzte im Januar 1958.

Straßenbahnhaltestelle in Nantes

Seit 1985 gibt es in Nantes wieder Straßenbahnverkehr. Ganz einfach gestaltete sich die Wiedereinführung aber nicht, denn innerhalb der Legislaturperiode der Befürworter wurde die erste Straßenbahnlinie leider nicht fertig und die Kommunalwahl gewannen die Straßenbahngegner, die alle Bauvorhaben stoppen ließen und am liebsten alle bisherigen Anlagen wieder abbauen lassen wollten. Nur weil das System schon relativ weit fortgeschritten war, wurde nach einiger Verzögerung dann doch weitergebaut und Mitte 1984 war der Gleisbau der Linie 1 fertig und Anfang 1985 wurde die damalige Gesamtstrecke der Linie 1 eröffnet.

Inzwischen gibt es 3 Straßenbahnlinien mit einer Streckenlänge von 40 km. Auf ihr wurden 2001 immerhin 42,5 Millionen Fahrgäste befördert, das sind die Hälfte aller Fahrgäste des öffentlichen Personennahverkehrs in Nantes!

Verkehrsmittelpunkt und größte Umsteigestelle ist der Place du Commerce. Hier kreuzen sich im rechten Winkel die Linie 1 und die zwei Linien 2 und 3, die hier ein kurzes Stück parallel fahren. Wie überall später in Frankreich wurde schon hier die Wiedereinführung der Straßenbahn zum Anlaß genommen, städtebauliche Optimierungen vorzunehmen: Straßenrückbau, Verkehrsberuhigungen und besondere Gestaltung der Haltestellen. Es sind kleine, schwarze Wartehäuschen mit einem spitz ausgebildeten Dach, in dem sich eine große Uhr befindet. Außerdem gibt es eine große hölzerne, dunkel gebeizte Sitzbank als Mittelpunkt, Fahrkartenautomat, Linienplan und Fahrplan. Die Bahnsteighöhe beträgt netzweit 20 cm. Einige Bahnsteige in den Außenbezirken sind aus Platzgründen Mittelbahnsteige. Im Straßenbahnnetz verteilt sind 8 Park + Ride-Anlagen, 6 sind mit Personal besetzt und nur beim Nachweis einer Fahrkarte zu benutzen. Der überwiegende Teil des eigenen Bahnkörpers ist als Rasengleis ausgebildet.

Straßenbahn-Niederflurwagen in Nantes

Zum Fahrpreis: Eine Einzelfahrt kostet 1,20 €, eine Tageskarte für 1 Person 3,30 € und eine Tageskarte bis zu 4 Personen 4,— €.

Der Fahrplan ist tagsüber sehr dicht. Die Fahrtenfolgen liegen zwischen 3 bis 7 Minuten. So gegen 20 Uhr wird dann ausgedünnt auf 1/4 Stunden-Verkehr und ab 22 Uhr bis 1 Uhr auf 1/2 Stunden-Verkehr. Abends herrscht ein Rendezvous-Verkehr am Commerce.

Erwähnenswert finde ich, dass am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, der gesamte Nahverkehrsbetrieb ruht!

Es werden heute zwei verschiedene Fahrzeugtypen eingesetzt. Der ältere ist der sog. TFS-Wagen, d.h. “Tramway Français Standard”, ein französischer Standard-Straßenbahnwagen, der in den 70er Jahren entwickelt wurde und der auch an andere zukünftige Straßenbahnbetriebe geliefert werden sollte. Doch dazu kam es nicht, weil inzwischen Niederflurstraßenbahnfahrzeuge auf den Markt kamen. Es handelt sich bei dem TFS um einen sechsachsigen, hochflurigen Gelenkwagen, der aber nachträglich mit einem niederflurigen Mittelteil zu einem Achtachser erweitert wurde. Die neueren Fahrzeuge, Baujahr 2000 und 2001, sind sechsachsige Niederflurwagen, die aus fünf Einzelteilen bestehen mit einer durchgehenden Fußbodenhöhe von 35 cm.

TFS Straßenbahnwagen

Genug der Fakten. Der Betrieb macht auf mich einen sehr guten und zukunftsorientierten Eindruck: In den letzten 2 Jahren hat es zwei Streckenverlängerungen von ca. 4 km Länge gegeben, neue Strecken sind in Planung, der Service des Fahrpersonals und des “Bodenpersonals” am Commerce ist sehr gut, was ich beobachtet und auch selbst erlebt habe, und die Stadt macht eine gute Werbung für die Straßenbahn: es gibt zahlreiche Postkarten mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt und einer Straßenbahn abgebildet — vielleicht überlegenswert auch für andere — deutsche — Städte?

Johannes Hertel

Dies ist ein Artikel der Karlsruher Zeitschrift umwelt&verkehr 3/05

Stand des Artikels: 2005! Der Inhalt des Artikels könnte nicht mehr aktuell sein, der Autor nicht mehr erreichbar o.ä. Schauen Sie auch in unseren Themen-Index.

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