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Gastbeitrag der AG Schleinkofer: Erhalt von landwirtschaftlichen Flächen in Karlsruhe —

Die Zukunft des Hofguts Schleinkofer

Kälber und Hofladen des Hofguts; Fotos: Birgit Rüdinger
Im Dreieck zwischen Wald und alter Sportanlage rechts des Weges, der Bahnstrecke und den Kleingärten liegt die strittige Fläche, die ursprünglich ganz, nun immer noch gut zur Hälfte bebaut werden soll, das Reststück hat aber auch Nachteile, siehe links;   Foto: Heiko Jacobs

Der Biolandhof Schleinkofer ist einer der Aussiedlerhöfe in Rüppurr und mit seinem Hofladen ein beliebtes Einkaufsziel. Hier gibt es Rohmilch, selbst hergestellten Käse, Fleisch aus eigener Tierhaltung, selbst gebackenes Brot, Getreideprodukte, Eier, Gemüse und vieles mehr. Der Betrieb hat etwa 90 Rinder und ist damit der einzige Bio-Milchvieh-Betrieb in Karlsruhe. Vor 7 Jahren stellte Susanne Schleinkofer ihren Betrieb mit rund 80 ha auf ökologische Landwirtschaft um, darunter auch fünf Hektar Pachtland im Besitz der Stadt Karlsruhe. Diese Fläche wurde der Sportgemeinschaft Rüppurr als Ausgleich für innerorts aufgegebene Fußballplätze versprochen. Der Verlust dieser Ackerfläche bedroht jedoch die Wirtschaftlichkeit und damit die Zukunft des Biohofs. Da auf der Fläche Grünfutter für Rinder produziert wird, müsste deren Anzahl reduziert werden. Ob eine Käseproduktion dann noch möglich wäre, ist ungewiss.

Geht es nach dem Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ sollen 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Baden-Württembergs bis 2030 nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Auch Karlsruhe bekennt sich mit dem Titel Biostadt dazu und möchte laut Gemeinderatsbeschluss von 2017 Ökolandbau und Biolebensmittel fördern. Offensichtlich verfolgt man in diesem Fall aber das genaue Gegenteil des Aktionsplans und behindert mit der Kündigung die wirtschaftliche Entwicklung des Biolandhofs. Tatsächlich kämpfen Bio-Betriebe ebenso wie konventionelle Landwirte um jeden Hektar Land. Das Gebot der Stunde sollte sein, ökologisch bewirtschaftete Flächen auszuweiten und nicht zu reduzieren!

Anfang 2022 veröffentlichte das Stadtplanungsamt die konkreten Baupläne für die Sportplätze. Daraus ging hervor, dass nicht nur die beiden Fußballplätze der ehemaligen Alemannia durch ein Kunstrasenfeld auf der Bio-Wiese ersetzt werden sollen, sondern darüber hinaus 2 Tennisplätze, ein Boulefeld und ein Vereinsgebäude gebaut werden. Offene Fragen bezüglich der Zufahrtswege, des Bahnübergangs und des Lärms durch die direkt angrenzende vielbefahrene Bahnstrecke wurden in dem Planungsentwurf ausgeklammert. Im Rahmen des „frühzeitigen“ Bürgerbeteiligungsverfahrens, das am 4. Februar 2022 endete, gingen eine Vielzahl von Stellungnahmen ein, die aktuell noch durch das Stadtplanungsamt ausgewertet werden. Einer der zentralen Punkte ist hierbei die bisher fehlende Bedarfsplanung. Werden diese Sportflächen wirklich benötigt, wenn man berücksichtigt, dass es in Rüppurr/Weiherfeld bereits sehr viele Fußball- und Tennisplätze gibt? Könnte vielleicht ein Sportplatz-Sharing angedacht werden, so dass die Sportplätze mit besserer Verkehrsanbindung effektiver genutzt werden? Wie attraktiv ist ein Boulefeld auf der grünen Wiese weitab vom Stadtzentrum?

Die Wiese, die für die geplante Bebauung Brunnenstückweg vorgesehen ist, befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet, das angrenzende Waldstück ist FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat), das in der EU den höchsten Schutzstatus hat. Der Bau und die spätere Nutzung des Sportgeländes mit seiner Verkehrsanbindung stellt einen großen Eingriff dar und sollte in seinen Auswirkungen auf die FFH-Erhaltungsziele untersucht werden. Deshalb müsste dieser ebenfalls in die Umweltverträglichkeitsprüfung einbezogen werden, was bisher nicht der Fall ist. Zu berücksichtigen ist auch, wie sich der geplante Kunstrasen und der damit verbundene Eintrag von Mikroplastik auf die umgebenden Ackerflächen auswirken wird. Insgesamt fordern deshalb auch die Umweltverbände BUND, LNV und NABU eine verträgliche Lösung für Landwirtschaft und Natur sowie eine Nachbesserung der Umweltverträglichkeitsprüfung:
karlsruhe.bund.net/service/meldungen/detail/news/pressemitteilung-zu-vereinsfusion-und-sportstaettenverlagerung-in-rueppurr/

Der Ausbau der Sportanlage am Brunnenstückweg in Rüppurr ist insgesamt umstritten, was unter anderem Leserbriefe in den BNN zeigen. Eine Unterschriftenaktion gegen den Sportplatzneubau unterstützen 3500 Bürger und Bürgerinnen mit Unterschriften und weitere 1647 online. Das Bauprojekt wird vor allem aus ökologischen Gründen kritisiert. Die Grünfläche wurde jahrelang nach dem Prinzip einer regenerativen und aufbauenden Bearbeitung verbessert. Dadurch entstand ein intensives Bodenleben und ein Lebensraum für Insekten. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sollten stolz sein auf diese vorbildliche Art der Lebensmittelproduktion. Den vollmundigen Bekenntnissen zu Naturschutz und Umweltschutz sollten nun auch Taten folgen, gerade weil sich die Wiese in städtischem Besitz befindet.

Um die Entscheider mit der Situation vor Ort vertraut zu machen und zum gemeinsamen Austausch gab es am 11.3.2022 ein offenes Treffen auf dem Hofgut Schleinkofer. Unter anderem nahmen Baubürgermeister Daniel Fluhrer, Landtagsabgeordneter Alexander Salomon (Die Grünen) sowie die Gemeinderätin Renate Rastätter (Die Grünen) daran teil. Außerdem waren VertreterInnen des Bioland-Verbandes und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft e. V. sowie viele KundInnen, Landwirtschaftskollegen und UnterstützerInnen des Hofguts vertreten. Als allgemeines Fazit wurde ein Runder Tisch für sinnvoll befunden, um eine einvernehmliche Lösung für alle zu finden. Leider gibt es bisher keine Hinweise, dass dieser Vorschlag seitens der Stadtverwaltung aufgegriffen wird. Vom Gemeinderat gibt es bislang keinen Beschluss zum Sportplatzneubau, allerdings wurden bereits erhebliche finanzielle Mittel für die Planung genehmigt. Sollen auf diese Weise Fakten geschaffen werden? Letztlich bleibt nur zu hoffen, dass die wertvolle Fläche erhalten wird. Neben den ökologischen Vorteilen wäre das ein Signal, dass Karlsruhe sich tatsächlich in Richtung einer echten Biostadt entwickelt.

Birgit Rüdinger

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