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Strom vom Balkon

Balkonkraftwerke in Karlsruhe; Fotos: Angelika Weißer
Montage am Dachgarten;  Foto:Günther Schuck
Schematische Darstellung von Stromerzeugung und -verbrauch im Tagesverlauf, abhängig von der Ausrichtung der Module ohne Verschattungen
Vortrag im Umweltzentrum; Foto: Mari Däschner

Für Manche ist es schon seit einiger Zeit selbstverständlich: Ein Teil des zu Hause genutzten elektrischen Stroms wird selbst produziert. Möglich wird das zum Beispiel durch Balkonkraftwerke, Fotovoltaik-Anlagen, die mit relativ geringem Aufwand am eigenen Balkon angebracht werden. So ein Balkonkraftwerk besteht meist aus zwei Solarmodulen, verschiedenen Kabeln, dem Montagematerial und natürlich einem Wechselrichter, der den aus Sonnenlicht gewonnenen Gleichstrom in den für unser Stromnetz benötigten Wechselstrom mit 230 Volt umwandelt. Dann wird ein Stromkabel vom Wechselrichter nur noch zu einer normalen Steckdose des Stromnetzes geführt und mit dem allgemein bekannten Schukostecker eingesteckt. Klingt einfach, ist es auch! Wobei natürlich ein paar grundlegende Voraussetzungen vorab geklärt werden sollten, etwa die nötige Sicherheit bei der Befestigung am Balkon oder die gesetzlich fest gelegte Begrenzung auf eine maximale Leistung von 800 Watt und auf eine Größe von 2 m2.

Von dem gut handhabbaren Konzept konnten sich die zahlreich erschienenen Gäste im Umweltzentrum überzeugen, als der Architekt Günther Schuck am 7. Februar in seinem überzeugenden Vortrag über das Thema informierte. Dabei spannte er den Bogen von den Grundlagen des Themas über technisch anspruchsvollere Details bis hin zu konkreteren Fragestellungen etwa zu finanziellen Aspekten. Die Anschaffungskosten von etwa 600 € sind nämlich bei den Balkonkraftwerken im Vergleich zu herkömmlichen Dachsolaranlagen gering und amortisieren sich ohne zusätzlichen Einbau eines Speichers schon nach 2—4 Jahren. Bei Mietwohnungen darf der oder die Hauseigentümer*in übrigens die Installation eines Balkonkraftwerks im Prinzip nicht verbieten, wenn die Bausubstanz nicht beschädigt wird. Dennoch empfiehlt sich vorab eine Kontaktaufnahme, um das Vorhaben zu besprechen und Konflikte zu vermeiden.

Man muss nicht unbedingt über einen nach Süden ausgerichteten Balkon verfügen, obwohl der Stromertrag einer Solaranlage in dieser Richtung generell am höchsten ist. Aber auch nach Osten oder Westen zeigende Solarmodule haben noch eine sehr gute Energieausbeute und sie bringen einen anderen Vorteil mit sich: Die Zeiten ihrer Stromerzeugung passen besser zu den Strombedarfen, die bei vielen Haushalten im Tagesverlauf üblich sind: Wenn also am Morgen in der Küche etwa elektrische Geräte wie Kaffeemaschine und Toaster laufen oder gegen Abend die Spülmaschine und der Fernseher oder Computer angeschaltet werden. Angesichts von zunehmender Arbeit im Homeoffice, der Verbreitung von smarten und programmierbaren Haushaltsgeräten und der vielen vom vermeintlichen Standard abweichenden Lebensrhythmen ist es sinnvoll, diesen Zusammenhang ganz individuell zu betrachten. Wichtig ist außerdem noch der Neigungswinkel, der sich bei der Montage der Module über eine gute Balkonhalterung meistens zwischen 0° und 30° einstellen lässt und abhängig von der Himmelsrichtung die Energieausbeute optimiert. Eine oft noch wichtigere Rolle als die Ausrichtung spielt die Beschattung der Solarmodule. Das heißt, dass ein möglichst lange besonnter Standort einen höheren Stromertrag bringen kann als ein optimal nach Süden ausgerichteter, aber zeitweise beschatteter Ort. Bei diesem Aspekt verwies der Referent Günther Schuck auch auf die beachtenswerten Unterschiede zwischen den beiden Typen von Solarmodulen. Monokristalline Solarzellen erreichen im Vergleich zu Dünnschichtzellen zwar einen deutlich höheren Wirkungsgrad, reagieren jedoch schon bei einer teilweisen Beschattung sehr viel empfindlicher mit einem hohen Leistungsabfall.

Abseits von den zahlreichen interessanten technischen Einzelheiten führt uns das Thema Balkonkraftwerke auch auf das große Ganze, die Frage nach unserem verschwenderischen Lebensstil in Zeiten der Energiekrisen, der dramatischen Klimaerwärmung und dem dringend nötigen Ersatz fossiler durch erneuerbare Energiequellen. Gerade in Karlsruhe ist das Potenzial für die Nutzung von Fotovoltaik enorm, was auch mit einem Blick in das Solarkataster1) deutlich wird. Jedes installierte Balkonkraftwerk ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Energiewende, den sehr Viele leisten können, die nicht über ein Eigenheim mit Dachflächen für die große Solaranlage verfügen. Es macht sicher Spaß, den eigenen Strom vom Balkon zu „ernten“, die für Nachbarn meist gut sichtbaren Module haben Vorbildcharakter und führen hoffentlich schnell zu einem Nachahmungseffekt. Und schließlich spart man auf Dauer eine ganze Menge Stromkosten.

Mari Däschner

1) geoportal.karlsruhe.de/solarkataster/

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