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Vorzugstrassen der Radschnellwege sind da

Da drüben, links oberhalb von Neubaustrecke und Ortsumgehung der B  36 liegt der bahnbegleitende Weg, der Wunschtrasse von ADFC, vielen anderen Radfahrern und div. Kommunen ist; Demo-Foto: Actioncam, Heiko Jacobs
Von der Brücke aus gesehen sieht man rechts zwischen zwei Fahrleitungsmasten den Weg, der dort aus dem Kieswerk raus, erst seit kurzer Zeit offen, noch eine schlechte Qualität hat; Demo-Foto: Robert Stephan, CC-BY-SA 4.0
Vom bahnbegleitenden Weg aus gesehen zunächst das oben erwähnte sandige Stück am Kieswerk und darunter etwas weiter südlich eine der vorhandenen Unterführungen, danach immer nur geradeaus ... Fotos: Heiko Jacobs
Start der ADFC-Demo für einen besseren Radschnellweg am alten Mühlburger Bahnhof;
Zwischenstopp der Demo in Durmersheim, an der auch Velomobile als besonders schnelle Räder teilnahmen.
Am Endpunkt der Demo vorm Rathaus auf dem Rastatter Marktplatz mit der Forderung nach einem echten Radschnellweg von Karlsruhe nach Rastatt.

Es könnte\wird/ (denn beim Schreiben des Artikels gab es „breaking news“ zum RS 13!) so einfach sein bei der Radschnellverbindung RS 13 Rastatt — Karlsruhe:

Östlich oberhalb der Neubaustrecke in den Rastatter Tunnel, die ihrerseits östlich der Ortsumfahrung der B 36 im gemeinsamen Einschnitt liegt, findet man auf ganzer Länge einen bahnbegleitenden Weg zur Erschließung der Äcker, als Baustraße und ggfs. Rettungsweg, zumeist mit gut 3 m breiter wassergebundener Decke, abschnittsweise sogar schon auf 3 oder 4 m asphaltiert. Von den querenden neun Straßen und Wegen, die als Anbindung an die Orte dienen könnten, werden schon fünf kreuzungsfrei unterquert, vier müssten noch nachgerüstet werden. Außerdem müsste der Weg wegen des landwirtschaftlichen Verkehrs auf 5 m asphaltiert werden, dann hätte man sie auf 9 km von 20 km (bei den Endpunkten Entenfang und Bahnhof Rastatt) schon: Eine schnelle, völlig kreuzungs-, ampel- und nahezu autofreie Radverbindung von Rastatt nach Karlsruhe, die das Etikett „schnell“ auch verdienen würde. Deswegen haben sich viele für diese Trasse stark gemacht.

Untersucht und verglichen wurden vom Regierungspräsidium bei den Scoping- und Vorplanungsverfahren der Radschnellverbindung (RSV) / Radschnellweg (RSW):

Unterwegs hätte man bei einzelnen Varianten Abschnitte durchaus tauschen können, bspw. auch die Anbindungen an Rastatt und Karlsruhe, wo es zwei potentielle Anknüpfungen gab: Entenfang oder „Junker- und-Ruh-Brücken“, im Verfahren „Manfred- Hädinger-Weg“ genannt. Die vom ADFC favorisierte dritte Anbindung am Karlsruher Westbahnhof, wo die Stadt sowieso eine neue Querung bauen möchte, wurde leider nicht untersucht. Gewinner der Bewertung aller Abschnitte anhand von 18 Kriterien war aber zunächst ausschließlich die gelbe Variante. Warum sind ADFC, div. Kommunen etc. und auch ich als VCD-Vertreter im Projektbegleitkreis trotzdem gegen „gelb“, wo die „objektiven“ Kriterien dafür waren, wenn auch oft nur knapp?

Nun, dafür sollte man auch einen kurzen Blick auf den anderen Radschnellweg werfen, der aktuell dasselbe Verfahren durchläuft und dessen Vorzugstrasse zur fast gleichen Zeit veröffentlicht wurde: RS 10 nach Ettlingen. Hier haben vermutlich viele mit einer Trasse gerechnet (befürchtet oder gehofft, je nach Standpunkt, im VCD sind wir uns nicht einig geworden, s. u&v 2/21) „irgendwas mit Links der Alb“, weil sich diese autoarme und heute von vielen Radfahrern genutzte Nebenstraße quasi aufdrängte, wenn auch nicht von allen bevorzugt und bei unklarer Weiterführung wegen Konfliktpunkten bei Fußgängern und Naturschutz.

Geworden ist es aber die Neckarstraße als künftige Fahrradstraße, quasi die Hauptstraße im Weiherfeld, mit einer Weiterführung an der Schule vorbei und durch die Kleingärten zum Försterpfad, dann die Bahn entlang. Ok, könnte man mit leben, sofern man da vieles verbessert, bspw. die Umwandlung der Quer- in Längsparker, sonst sind diese ein zu hohes Sicherheitsrisiko, und Sperrung der Weiherfeldbrücke für den MIV, sonst sind die Verkehrszahlen zu hoch. Wie man die potentiellen Probleme in der Kleingartenanlage verträglich löst, könnte noch spannend werden ...

Interessanter ist beim RS 10 der Blick auf den zweiten Platz: Mit nur sehr knappem Abstand in der Bewertung (3,61 statt 3,67) ist dies die Route über „Rechts der Alb“, Rastatter und Lange Straße. Von allen Varianten ist es diejenige mit der Maximierung des Mischverkehrs, nämlich mit dem Autoverkehr auf der alten Hauptstraße Rüppurrs! Wir erinnern uns: Heute fahren viele Radfahrer, Alltag wie Freizeit, mit kaum Autos „Links der Alb“ und ab dann autofrei am Reiherbach und über die Felder.

Findet den Fehler!

... lautete daher die Devise, der ADFC ging beim RS 13 nach Rastatt auch auf die Suche. Ich bleibe noch kurz beim Ettlinger, weil das Problem dort augenfälliger ist.

Die Bewertung erfolgt anhand von 18 Kriterien, davon 9 aus dem Umweltbereich (Flächen, Boden, Wasser, Klima/Luft, Pflanzen, Tiere, Natura 2000, Mensch, Landschaft), 6 aus dem allgemeinen Verkehrsbereich (Siedlungsentwicklung, unabhängige Führung, soziale Kontrolle, Eingriff in ruhenden Verkehr, Grunderwerb, Kosten) und nur 3 speziell aus dem RSW-Bereich (Radfahrpotential, Reisezeit, Streckenanteil nach RSV-Standard). Selbst, wenn man die Unabhängigkeit von Fuß- und Kfz-Verkehr „rüber nimmt“ zum Block RSW bleibt ein Ungleichgewicht auf nichtradspezifische Belange bei einer Radverkehrs(!)planung. Problem ist auch, das die verschiedenen Bauformen der RSV-Standards (weitgehend unabhängige Führung, Radwege, aber auch Mischverkehr in einer Fahrradstraße) bei völlig anderer Reisequalität wohl gleichwertig bewertet werden (Wer hat schon nennenswerte Mengen an Fahrradstraßen ohne Autoverkehr gesehen?).

So konnte es dann passieren, dass die Lange Straße mit Abstand den 1. Platz bei den Umweltkriterien erreichte, da sie mit Ausnahme der Albquerung nahe der Weiherfeldbrücke praktisch keine Konflikte mit der Umwelt hat (wie auch mitten im Stadtteil), beim Verkehr aber den letzten Platz zusammen mit einer Donaustraßenvariante (aber innerhalb des Verkehrs den 1. Platz bei Grunderwerb und Kosten). Im Mittel wurde der 1. Platz nur knapp verfehlt. So ein Ergebnis zeigt eigentlich gut, dass bei der Abwägung gehörig was schief läuft!

Sind die Kriterien wirklich objektiv? Beim RS 10 Ettlingen findet sich im Kleingedruckten der Vorlage für den Gemeinderat der Hinweis zu „fachlichen Divergenzen zu den Einstufungen“ bei Umweltpunkten seitens Umwelt- und Gartenamt gerade bei den ersten beiden Plätzen! Zwar keine Details, aber wenn ich richtig rate, könnten bei Korrektur beide Varianten noch ihre Plätze tauschen, m. E. eine Katastrophe ...

Mit diesem Hintergrund zurück zum RS 13 nach Rastatt. Hier hat der ADFC auch Unstimmigkeiten bei den Bewertungen gefunden, die Bedenken an der Objektivität der Kriterien nährten.

Teilweise sind die Vorplanungen der gelben Variante sogar ein Rückschritt gegenüber heute: Entlang der Rheinstettener B 36 gibt es zwei Stellen, wo der heutige Radweg nicht vor, also B-36-seitig, sondern hinter dem Lärmschutz in der Siedlung läuft, bisher größtenteils als (für RSW zu schmaler) Geh- und Radweg. Das soll ersetzt werden durch eine Fahrradstraße mit zugelassenem Autoverkehr, Mischverkehr statt Unabhängigkeit. Beim Weg nach Rastatt rein wird der heutige (schlechte) Radweg abgelöst, hier aber durch Umweltspuren, also gemeinsame Nutzung mit den Bussen des ÖV, das dürfte deutlich mehr Verkehr sein als auf dem bahnbegleitenden Weg mit gelegentlichem Landwirtschaftsverkehr. Wie wurde das aber bewertet?

Interessant ist hier die alte erste Bewertung der Umweltspur mit der Höchstpunktzahl 5 bei der Unabhängigkeit vom Verkehr im Vergleich zur Bewertung des bahnbegleitenden Weges mit nur mittlerem Ergebnis. Ein Trecker alle paar Tage ist echt schlimmer als Buslinien im Taktverkehr?

Der ADFC engagierte sich bzgl. RS 13 beim Regierungspräsidium und beim Landesverkehrsministerium, bei dem das Verfahrensergebnis mit der Vorzugstrasse gerade liegt, in Richtung Neubewertung der Varianten. Unterstützend hatte er zu einer Fahrraddemonstration aufgerufen, die vom Fliederplatz in Mühlburg über die B 36 zum Rathaus in Rastatt führte mit einem Zwischenstopp in Durmersheim. An allen drei Versammlungspunkten wurde in Reden betont, wie widersinnig es wäre, den vorhandenen Begleitweg nicht zu nutzen und stattdessen größtenteils nur 200—300 m weiter westlich durch einige Gewerbegebiete zu fahren und teils sogar mit Verschlechterungen zum aktuellen Bestand. Deutlich über 200 Radfahrer folgten dem Aufruf, rechnet man die hinzu, die nur Etappen fuhren, könnten es auch 300 Unterstützer gewesen sein. Gefahren wurde mit Polizeibegleitung auf der Fahrbahn, egal ob Radwege vorhanden waren oder nicht (legal bei Verbandsfahrt). Die Ortsumgehung per neuer B 36 ist übrigens offen für alle, auch Radfahrer. Wer sich traut, kann dort auch alleine für eine schnelle Verbindung „demonstrieren“.

Unterstützung fand die ADFC-Trasse übrigens bei den Gemeinderäten von Ötigheim, Bietigheim und Durmersheim, die ebenfalls die gelbe Variante ablehnen, die durch ihre Gewerbe- und Wohngebiete bzw. geplante Erweiterungen führt.

Dieser für das RP überraschend heftige Widerstand und die Zweifel des ADFC an einigen Bewertungsparametern führten dann — und nun die „breaking news“ — tatsächlich zu einem Umdenken mit Neubewertung, bei der liegt nun plötzlich der bahnbegleitende Weg knapp vor der gelben Variante. Die Demo hat sich gelohnt, es bleiben aber immer noch reihenweise Problemstellen bei den Anschlüssen nach Rastatt und Karlsruhe. Und dass der Baubeginn frühestens 2028 sein soll, ist einer schnellen Verkehrswende auch nicht gerade förderlich.

Heiko Jacobs

rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/abt4/ref44/radschnellwege/rs13-karlsruhe-rastatt/
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