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| Fahrkarten zum Selbstentwerten (Hinweis: Vor dem 1.8.26 gekaufte sind bis 31.1.27 gültig) |
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| Undatiertes hier? Leider nein! Foto: Heiko Jacobs |
Stempelkarten abgeschafft, Ticketautomaten in Stadtbahnen ausgebaut — ein spontaner Fahrtantritt ohne Smartphone wird im KVV-Gebiet für Gelegenheitskunden immer schwieriger.
Einziger praktikabler Ersatz sind die vom KVV 2022 eingeführten undatierten Tickets zum Selbstentwerten, die nach Bedarf vor Fahrtantritt z. B. daheim ausgefüllt werden können:
Sie wären eine praktikable Übergangslösung bis zur Einführung niederschwelliger digitaler Lösungen über Smartcards — wenn auch ein akzeptabler Zugang zu den Tickets bestehen würde.
Alle Versuche, die Tickets auch an Automaten anzubieten, sind leider gescheitert, obwohl es laut Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe leicht möglich gewesen wäre. Auch PRO BAHN mittlerer Oberrhein Karlsruhe hat die mehrfachen Initiativen dazu unterstützt. Aufsichts- und Gemeinderat haben es jedoch mehrheitlich abgelehnt. Verwiesen wurde u. a. auf die Zusendung der Tickets (4,99 € Porto) und die Verkaufsstellen. Einige Fraktionen wollten sich für weitere Verkaufsstellen einsetzen. Derzeit passiert das Gegenteil:
Verkaufsstellen in Karlsruhe, Ettlingen, Söllingen und Berghausen wurden geschlossen. Betroffen sind in Karlsruhe insbesondere die Stadtteile Oberreut, Grünwinkel, Weststadt, Nordweststadt und Durlach. Damit sind innerhalb eines Jahres 30 % der Verkaufsstellen in Karlsruhe weggefallen.
Hier gibt es noch undatierte Tickets (Verkaufsstellen u. KVV-Kundenzentren):
Im südlichsten KVV-Gebiet werden die undatierten Tickets nur in 2 KVV-Kundenzentren angeboten, da die Stadtwerke Baden-Baden, die das Gebiet betreuen, dies in ihren 9 Verkaufsstellen ablehnen! Das Problem der Uneinheitlichkeit im Verkehrsverbund war auch ein Argument bei der Ablehnung des Automatenverkaufs undatierter Tickets.
ProBahn hat deshalb gefordert, dass die Zuständigkeit auch für den analogen Verkauf auf den KVV übertragen wird.
Grundsätzlich wird es immer schwieriger, den Ticketverkauf in den Stadtteilen aufrecht zu halten und noch schwieriger, mit den aktuellen Konditionen neue Verkaufsstellen zu finden. Dabei wäre es wichtig, in allen Stadtteilen und Gemeinden eine KVV-Verkaufsstelle zu haben — besonders nachdem der Automaten-Verkauf undatierter Tickets zum Selbstentwerten abgelehnt wurde. Der niederschwellige Zugang zu Fahrkarten ist auch eine Frage der Teilhabe.
Mit entsprechender Priorität sollte es den Verkehrsbetrieben möglich sein, Verkaufsstellen zu halten und neue zu finden. Bei den Paketdiensten und Lotto-Annahmen klappt es ja auch. Ein Teil der Einsparungen müsste hier investiert werden.
Der Seniorenbeirat Walzbachtal bietet seit April 2026 in Wössingen und Jöhlingen während seiner monatlichen Sprechstunde die relevanten Tickets für sein Gebiet an — ähnlich wie Seniorenrat Liebersbach seit Längerem in Weingarten. In Weingarten wurden in einer Stunde Tickets für ca. 300,— € verkauft und auch in Walzbachtal ist die Nachfrage groß. Der Bedarf ist also da — nicht nur bei Hochbetagten, Gebrechlichen und Kindern, wie oft behauptet wird!
80 % der Fahrgäste nutzen inzwischen das Deutschlandticket, viele auch das Smartphone. Sind da analog operierende Gelegenheitskunden noch relevant? Im Jahr 2024 wurden immerhin 88.842 undatierte Tickets verkauft — trotz der schlechten Verkaufsinfrastruktur!
Nicht jeder kann sich ein Abo-Ticket leisten. Allein bei Senioren über 65 liegt die Armutsquote bei ca. 20 %. Der ÖPNV ist eine Leistung der Daseinsvorsorge, der allen Kundengruppen einfachen Zugang bieten muss — nicht nur beim barrierefreien Einstieg.
Das teure Bargeldhandling ist den Verkehrsbetrieben unter ihrem Sparzwang natürlich ein Dorn im Auge. Der falsche Weg ist aber — wie in Stuttgart geplant — im Bus nur noch Debit- und Kreditkarten zu akzeptieren! In Hamburg wird zumindest eine mit Bargeld aufladbare Guthabenkarte angeboten, die in allen Geschäften kostenfrei erhältlich ist.
Diesen Weg schlagen auch neue Projekte ein, die als niederschwelligen Zugang eine vom Verkehrsverbund ausgegebene Guthabenkarte ausgeben. Über die darauf gespeicherte Identifikation (ID) kann dann auch der Fahrpreis ermittelt werden. Beim Ein- und Ausstieg wird die Karte an Lesegeräte, sog. Validatoren, gehalten. Der Fahrpreis incl. Tagesbestpreis wird dann berechnet und vom Guthaben abgezogen. Analog funktioniert das mit Kreditkarte und Smartphone. Bei der Messe IT-Trans in Karlsruhe wurden entsprechende Systeme auch von regionalen Partnern von VBK, AVG und KVV wie z. B. INIT oder Krauth angeboten.
Wir erwarten, dass auch die Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg diesen Weg koordiniert einschlagen und bis zur Umsetzung akzeptable analoge Ticketzugänge anbieten.
Hajo Dorn